In der Praxis der Pferdehaltung existieren unterschiedliche Konzepte zur Organisation von Auslauf, Freigang und Fütterung – insbesondere in den Wintermonaten. Dabei wird teilweise der gesetzlich zulässige Mindeststandard umgesetzt, ohne darüberhinausgehende Versorgungs- und Strukturmaßnahmen vorzusehen.
Ein häufig anzutreffendes Beispiel ist ein mehrstündiger täglicher Paddock- oder Auslaufgang, bei dem den Pferden während dieser Zeit kein Raufutter zur Verfügung steht. Diese Vorgehensweise stellt in manchen Betrieben keine Ausnahme dar, sondern ist Bestandteil des regulären Stallkonzepts.
Fachlicher Hintergrund zur Heufütterung
Pferde sind physiologisch auf eine nahezu kontinuierliche Aufnahme von Raufutter ausgelegt. Die Magensäureproduktion erfolgt dauerhaft und ist nicht an feste Fütterungszeiten gekoppelt. Längere Fresspausen können – insbesondere in Verbindung mit Bewegung – aus fachlicher Sicht eine erhöhte Belastung des empfindlichen Magens darstellen.
In der Fachliteratur sowie in anerkannten Leitlinien zur Pferdehaltung wird daher regelmäßig darauf hingewiesen, Fresspausen möglichst kurz zu halten und Raufutter über den Tag verteilt anzubieten.
Freigang und Freilauf – fachliche Einordnung
Freigang oder Freilauf erfüllen wichtige Funktionen für Bewegung, Stoffwechsel, Muskulatur und das allgemeine Wohlbefinden des Pferdes. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Dauer, sondern die Ausgestaltung des Auslaufs.
Aus fachlicher Sicht gelten folgende Aspekte als empfehlenswert:
- ausreichend Platz für freie, ungehinderte Bewegung
- sichere, rutschfeste und trittsichere Bodenverhältnisse
- soziale Interaktion, sofern die Gruppenzusammensetzung dies zulässt
- Schutz vor Witterungseinflüssen
- Zugang zu Wasser
- bei mehrstündigem Aufenthalt: Zugang zu Raufutter
Freilauf ohne Raufutter über längere Zeiträume kann – abhängig von Dauer, Intensität der Bewegung und individueller Konstitution – zu unerwünschten Belastungen führen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Freilauf regelmäßig und nicht nur situativ erfolgt.
Trennung von Bewegung und Fütterung
Wird Raufutter ausschließlich im Stall angeboten, entsteht eine organisatorische Trennung zwischen Bewegung und Futteraufnahme. Diese Trennung entspricht nicht dem natürlichen Verhalten des Pferdes, das Bewegung und Fressen normalerweise miteinander verbindet.
Aus fachlicher Perspektive wird daher empfohlen, Freilauf- und Auslaufkonzepte so zu gestalten, dass sie sowohl Bewegung als auch eine angemessene Raufutteraufnahme ermöglichen.
Einordnung für Einsteller
Einsteller sollten sich unabhängig von rechtlichen Mindestanforderungen über die konkrete Ausgestaltung von Freigang und Freilauf informieren. Sinnvolle Fragestellungen können sein:
- Wie lange befinden sich die Pferde täglich im Freilauf oder Auslauf?
- Besteht währenddessen Zugang zu Raufutter?
- Wie sind Boden, Platzangebot und Witterungsschutz gestaltet?
- Handelt es sich um ein dauerhaftes Konzept oder um witterungsbedingte Übergangslösungen?
Diese Punkte betreffen nicht die rechtliche Zulässigkeit einer Haltung, sondern deren fachliche Qualität.
Hinweis
Dieser Beitrag stellt keine rechtliche Bewertung einzelner Betriebe dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er dient ausschließlich der fachlichen Information und der Sensibilisierung für Zusammenhänge zwischen Freilauf, Freigang, Fütterung und Pferdegesundheit.
