Fairfax stellt den neuen Finesse Dressage vor und ordnet zugleich sein hochwertiges Sattelprogramm unter der Bezeichnung „Signature Collection“ neu.
Der neue Dressursattel wurde nach Angaben von Fairfax auf Grundlage einer Untersuchung mit 75 Dressurreitern an der Hartpury University entwickelt. Im Mittelpunkt standen die Beckenstellung des Reiters, der Sitzkomfort und die reiterliche Biomechanik.
Was bedeutet „Signature Collection“?
Die neue Signature Collection ist keine technisch einheitliche Sattelserie. Fairfax fasst unter dieser Bezeichnung vielmehr verschiedene hochwertige Modelle aus den bisherigen Bereichen World Class und Performance zusammen.
Zur Signature Collection gehören neben dem neuen Finesse Dressage unter anderem die World-Class-Dressursättel sowie bekannte Modelle wie Petrus, Stella und Cara. Die Bezeichnung World Class bleibt bei den entsprechenden Modellen erhalten. Auch das patentierte Performance Panel wird weiterhin als technische Bezeichnung für die besondere Kissenausführung verwendet.
Wichtig zur Einordnung:
„Signature Collection“ bezeichnet die übergeordnete Kollektion. „World Class“ bleibt eine Modellbezeichnung, während „Performance Panel“ weiterhin eine bestimmte technische Ausführung des Sattelkissens beschreibt.
Der neue Fairfax Finesse Dressage
Mit dem Finesse Dressage richtet Fairfax den Blick verstärkt auf die individuelle Sitzposition des Reiters. Grundlage der Entwicklung ist der sogenannte Dynamic Seat.
Nach den bislang veröffentlichten Herstellerinformationen gehören dazu:
- eine unterstützende, aber nicht einengende Pausche,
- ein Sattelblatt, das nach vorn oder hinten ausgerichtet werden kann,
- die Berücksichtigung unterschiedlicher Becken- und Beinpositionen,
- ein wollgefülltes, mit Prolite unterlegtes Performance Panel,
- zwei unterschiedliche Ausführungen des hinteren Kissens.
Das Sattelblatt kann nach Herstellerangaben nach vorn oder hinten ausgerichtet werden, um die Pausche besser auf die individuelle Beinposition des Reiters abzustimmen. Ziel ist eine Unterstützung des Reiters, ohne das Bein in eine starre Position zu zwingen.
Damit setzt Fairfax einen bereits bei den World-Class-Modellen erkennbaren Entwicklungsweg fort: Nicht nur die Passform für das Pferd, sondern auch die Wechselwirkung zwischen Pferd, Sattel und Reiter soll berücksichtigt werden.
Das Performance Panel
Der Finesse Dressage besitzt ein traditionell nachpolsterbares, wollgefülltes Performance Panel mit einer zusätzlichen Prolite-Schicht. Angeboten werden zwei Kissenvarianten:
- Standardausführung vorn und hinten,
- Standardausführung vorn mit tieferem hinterem Kissen.
Welche Ausführung geeignet ist, kann nicht allein anhand einer Modellbeschreibung bestimmt werden. Entscheidend bleiben die Rückenform des Pferdes, der Verlauf der Sattellage und die Beurteilung des Sattels unter dem Reiter.
Finesse Dressage R und Finesse Dressage S
Der Finesse Dressage wird als äußerlich weitgehend identisches Modell für zwei unterschiedliche Sattelbaum- und Kopfeisensysteme angeboten:
| Merkmal | Finesse Dressage R | Finesse Dressage S |
|---|---|---|
| Kopfeisensystem | R-Bar | S-Bar |
| Sitzgrößen | 17″ und 17½″ | 17″ und 17½″ |
| Kopfeisenbereich | N/M bis XXW | N/M bis XXW |
| Farbe | Schwarz | Schwarz |
R-Bar und S-Bar sind nicht untereinander austauschbar. Die Auswahl des Systems und der benötigten Winkelung muss zur Konstruktion des Sattels und zur individuellen Situation des Pferdes passen.
Weitere Informationen zur Auswahl, Vermessung und Kontrolle finden Sie in den FAQ zu Kopfeisen.
Preis und Verfügbarkeit
Der vom Hersteller vorgegebene Verkaufspreis für den Fairfax Finesse Dressage beträgt 4.490 €.
Sobald mir die noch ausstehenden vollständigen Herstellerinformationen und Artikelcodes vorliegen, werden der Fairfax Finesse Dressage R und der Fairfax Finesse Dressage S in Kürze in meinen Shop aufgenommen.
Breite Zielgruppe bedeutet nicht: passend für jeden
Fairfax beschreibt den Finesse als Sattel mit einer breiten Eignung für Reiter unterschiedlicher Fähigkeiten und Körperformen. Diese Aussage ersetzt jedoch weder das Probesitzen noch die Beurteilung der gesamten Pferd-Sattel-Reiter-Konstellation.
Insbesondere die derzeit angebotenen Sitzgrößen 17″ und 17½″ zeigen, dass auch ein auf unterschiedliche Becken- und Beinpositionen ausgerichtetes Modell nicht automatisch für jeden Reiter geeignet sein kann. Sitzgröße, Sattelblatt, Pausche und die Position des Reiters müssen gemeinsam beurteilt werden.
Was wurde bei den 75 Reitern untersucht?
Im Beitrag „The Dynamic Seat Explained“ in British Dressage, Ausgabe 4/2026, erläutert Vanessa Fairfax den Aufbau und die bislang daraus abgeleiteten Erkenntnisse der Untersuchung.
Gemeinsam mit Dr. Russell MacKechnie-Guire und der Hartpury University wurden 75 wettkampferfahrene freiwillige Reiter untersucht. Vor dem Aufsitzen erfasste das Forschungsteam unter anderem Körpersegmentdaten, Gelenkwinkel und die Kraftverteilung. Anschließend ritten die Teilnehmer auf einem mechanischen Pferd im Performance Centre der Universität.
Durch das mechanische Pferd konnten die Bewegungsbedingungen für alle Teilnehmer vereinheitlicht werden. Mithilfe optischer dreidimensionaler Bewegungsanalyse wurden digitale Bewegungsmodelle der Reiter erstellt. Untersucht wurden insbesondere Rumpf und Becken in verschiedenen Sitzkonfigurationen und bei unterschiedlichen Positionen der Oberschenkelpausche.
Welche Ergebnisse werden bereits genannt?
Fairfax beschreibt in dem Beitrag unter anderem folgende Beobachtungen:
- Bei einer erheblichen Zahl der Reiter wurde eine überwiegend nach vorn gekippte Beckenposition festgestellt, besonders deutlich im Galopp.
- Die Mehrheit bevorzugte dieselbe neu entwickelte Sitzform und bewegte sich darin nach Angaben von Fairfax harmonischer mit dem mechanischen Pferd.
- Bei Position und Form der Oberschenkelpausche zeigten sich dagegen deutlich individuelle Vorlieben.
- Ohne Oberschenkelpausche wurde bei allen untersuchten Reitern eine erhebliche Instabilität festgestellt.
- Bei allen Teilnehmern zeigte das rechte Bein eine geringere Stabilität als das linke. Fairfax bezeichnet diesen Punkt selbst als weiter untersuchungsbedürftig.
Besonders wichtig für die praktische Einordnung ist eine weitere Aussage aus dem Beitrag: Es gab keine einzelne Sattelkonstruktion, die allen Reitern gleichermaßen gerecht wurde. Auch der neu entwickelte Dynamic Seat ersetzt daher nicht die individuelle Auswahl und Beurteilung.
Wie ist der Forschungsstand einzuordnen?
Der Beitrag liefert damit bereits deutlich mehr als eine reine Produktankündigung: Versuchsaufbau, untersuchte Merkmale und mehrere Beobachtungen werden nachvollziehbar beschrieben. Es handelt sich dabei derzeit jedoch um die zusammenfassende Darstellung des Herstellers und noch nicht um die vollständige wissenschaftliche Veröffentlichung der Untersuchung.
Fairfax kündigt an, die Daten und Ergebnisse in einer Reihe wissenschaftlicher Arbeiten zusammenzuführen und in begutachteten Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Zum Zeitpunkt dieser News sind diese Fachaufsätze noch nicht öffentlich zugänglich. Eine vollständige Beurteilung der Methodik, statistischen Auswertung und wissenschaftlichen Aussagekraft wird daher erst nach deren Veröffentlichung möglich sein.
Daher gilt: Die Entwicklung des Finesse Dressage auf Grundlage der Untersuchung ist durch die Herstellerinformationen und den ausführlichen Beitrag in British Dressage nachvollziehbar dargestellt. Die angekündigten wissenschaftlichen Fachveröffentlichungen bleiben für die abschließende fachliche Bewertung abzuwarten.
Mein vorläufiges Fazit
Der Finesse Dressage führt einen bei Fairfax bereits länger erkennbaren Entwicklungsweg weiter. Während frühere Untersuchungen vor allem Druckverteilung, Pferdebewegung und die Wechselwirkung zwischen Pferd und Sattel betrachteten, rückt nun die individuelle Becken- und Beinposition des Reiters stärker in den Mittelpunkt.
Besonders interessant ist dabei nicht nur das neue Modell, sondern die erkennbare Verbindung zwischen dem Performance Panel, den World-Class-Konzepten und dem neuen Dynamic Seat. Ob der Finesse für eine konkrete Pferd-Reiter-Konstellation geeignet ist, kann jedoch auch weiterhin nur durch eine strukturierte Auswahl, ein Probesitzen und eine anschließende Sattelanprobe am Pferd geklärt werden.
Sobald ausführlichere wissenschaftliche Unterlagen zu der Untersuchung verfügbar sind, werde ich die Angaben entsprechend ergänzen und fachlich einordnen.
Weiterführende Herstellerinformationen:
The Dynamic Seat Explained – Ask the Expert (PDF)
Fairfax Signature Collection
Fairfax Finesse Dressage R
Fairfax Finesse Dressage S











