Messpunkte der Sattellage (GL14 / GL21) und ihre Bedeutung für die Kopfeisenprüfung

Einordnung

Die Messpunkte GL14 und GL21 dienen als Orientierung für die Lage der Kopfeisenlinie im Schulterbereich des Pferdes.
Sie helfen dabei, Veränderungen der Sattellage nachvollziehbar zu dokumentieren und die Passform eines Kopfeisens reproduzierbar zu überprüfen.

Bei der Beurteilung der Passform eines Sattels wird häufig versucht, aus einzelnen Messwerten unmittelbar auf die benötigte Kopfeisenweite zu schließen.

In der praktischen Sattelanpassung zeigt sich jedoch, dass Messungen zunächst nur den aktuellen Zustand der Sattellage im Stand beschreiben.

Die endgültige Auswahl des passenden Kopfeisens erfolgt daher nicht allein auf Grundlage der Messwerte, sondern immer durch eine praktische Prüfung des Kopfeisens am Pferd, bevor dieses im Sattel verbaut wird.

Auch grundlegende Maßangaben wie die Sitzgröße unterliegen keiner einheitlichen Normierung und sind daher nur eingeschränkt vergleichbar.


Vermessung der Sattellage

Zur Beschreibung der Form des Pferderückens können verschiedene Messpunkte entlang der Rückenlinie verwendet werden.

Ein verbreitetes System hierfür ist das BVFR-Kurvenlineal, mit dem die Form des Pferderückens in mehreren Positionen erfasst werden kann.

Die Messung erfolgt mit einem Messbügel, der auf den jeweiligen Positionen aufgelegt wird.

Die Grundbeschreibung dieser Vermessung findet sich hier:
👉 kurzanleitung.pdf

Während das BVFR-System mehrere Messpositionen vorsieht, ist für die Beurteilung der Kopfeisenpassung vor allem eine weitere Linie von besonderer Bedeutung:

Die GL-Linie (Gullet Line / Kopfeisenlinie)

Für die praktische Sattelanpassung ist insbesondere die sogenannte GL-Linie relevant.
Diese Linie liegt:

  • ca. 7 cm hinter Position B des BVFR-Messsystems
  • Sie liegt etwa drei Finger, genauer gesagt, 5 cm hinter dem ertasteten Ende des Schulterblatts, im sogenannten Trapezbereich.

Sie beschreibt damit den Bereich, in dem das Kopfeisen eines Sattels auf den Pferderücken wirkt, und statischen Halt und eine freie Schulterblattrotation ermöglichen soll.


Messpunkte innerhalb der Sattellage

Zur Beschreibung der Formentwicklung innerhalb der Sattellage werden entlang dieser Linie definierte Positionen betrachtet.
Diese Messpunkte sind Bestandteil einer systematischen Vermessung und Dokumentation der Sattellage und nicht isoliert zu bewerten.

Die vollständige Vorgehensweise zur Erfassung, Dokumentation und Auswertung finden Sie hier:
https://www.sattlerei-steitz.de/systematische-vermessung-und-dokumentation-der-sattellage/

Für die praktische Beurteilung haben sich insbesondere zwei Punkte als aussagekräftig erwiesen:

GL14
Der obere Bereich der Sattellage. Bei größeren Pferden liegt dieser Punkt meist noch im aktiven Schulterbereich. Bei kleineren Pferden (vielen Ponys) kann er bereits Teil des tragenden Bereichs sein.
Deshalb ist stets zu prüfen, ob das kürzere S-Bar– oder das längere R-Bar-System für das jeweilige Pferd geeigneter ist. Diese Einordnung ist nicht rasseabhängig.

GL21
Im Bereich der unteren Sattellage. Bei größeren Pferden liegt hier in der Regel der tragende Bereich. Vergleichbar mit einem Grundbalken als Auflager für einen stabilen Dachsparren.

Zu berücksichtigen ist hierbei die Bewegung des rotierenden Schulterblatts in der simulierten Bewegung, da auch dieser Bereich funktional beeinflusst werden kann.

Diese beiden Positionen liegen innerhalb der eigentlichen Sattellage (Ortganglage) und beschreiben die geometrische Entwicklung des Brustkorbes in diesem Abschnitt.

Abformung des Formverlaufs innerhalb der Sattellage.
Die markierten Positionen entlang der Linie zeigen die geometrische Entwicklung des Brustkorbes und bilden die Grundlage für die Bewertung der Messpunkte (z. B. GL14 / GL21).

Bedeutung der Messwerte

Die Messung mit dem Messbügel erfasst zunächst die Breite des Pferderückens im Stand.

Diese Werte stellen eine Zustandsaufnahme dar und können durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, beispielsweise:

  • muskuläre Verspannungen
  • Trainingszustand
  • vorherige Belastung
  • Schulterschiefstände
  • asymmetrische Muskelentwicklung

Die Messwerte dienen daher in erster Linie der

  • Dokumentation der aktuellen Form der Sattellage
  • Beobachtung von Veränderungen im Verlauf
  • ersten Orientierung für die Auswahl eines Kopfeisens

Vergleich der Messpunkte GL14 und GL21

Der Vergleich dieser beiden Messpunkte erlaubt eine Einschätzung der Formentwicklung des Brustkorbes innerhalb der Sattellage.

In vielen Fällen liegt die Differenz zwischen diesen beiden Messpunkten etwa im Bereich von

9 bis 11 cm

Dieser Wert beschreibt jedoch keine feste Zuordnung zu einer bestimmten Kopfeisenweite, sondern lediglich eine geometrische Orientierung.


Prüfung des Kopfeisens am Pferd

Vor der endgültigen Auswahl eines Kopfeisens wird dieses immer zunächst direkt am Pferd geprüft.

Dabei wird kontrolliert,

  • ob das Kopfeisen zur Form der Sattellage passt
  • ob ausreichend Bewegungsfreiheit für die Schulter vorhanden ist
  • ob das Kopfeisen in der Bewegung korrekt arbeitet.

Ein Hilfsmittel hierfür ist die Kontroll-Auflage von etwa 1–2 Grad.

Erst wenn diese Prüfung zufriedenstellend ausfällt, wird das entsprechende Kopfeisen im Sattel verbaut.


Das Kopfeisen als statische Basis des Sattels

Das Kopfeisen bildet die vordere statische Grundlage des Sattels.

Seine Winkelung bestimmt, wie der Sattel im vorderen Bereich auf dem Pferderücken aufliegt.

Ist diese Basis nicht passend gewählt, können spätere Anpassungen an

  • Polsterung
  • Kissenfüllung
  • Unterlagen

die grundlegende Geometrie des Sattels nicht mehr korrigieren.

Aus diesem Grund wird das Kopfeisen immer zuerst am Pferd geprüft, bevor weitere Anpassungen am Sattel vorgenommen werden.


Einordnung

Dieser Artikel ist Teil der Fachgrundlagen zur technischen Zustandsfeststellung der Sattellage.
Weitere Grundlagen finden Sie hier:
👉 Fachgrundlagen der Sattelprüfung.

Ergänzende Hinweise aus der Praxis

Die Messpunkte liefern eine technische Orientierung, ersetzen jedoch nicht die funktionale Beurteilung des Pferdes.
Weiterführende Beobachtungen aus der täglichen Praxis der Sattlerei Steitz finden Sie hier:
👉 Gesammelte Erkenntnisse (PDF)

Weiterführende Datengrundlage

Die hier beschriebenen Messpunkte werden im Rahmen meiner laufenden Dokumentation systematisch erfasst.
Eine anonymisierte Übersicht realer Messwerte finden Sie hier:
👉 Datenerfassung GL (PDF)

Fazit

Die Messung entlang der GL-Linie ermöglicht eine strukturierte Beschreibung der Form der Sattellage.
Sie liefert eine Orientierung für die Auswahl eines Kopfeisens, ersetzt jedoch nicht die praktische Prüfung.
Entscheidend bleibt die Ermittlung der tragfähigen muskulären Linie des Pferdes in der Bewegung. Erst hier zeigt sich, wo Last tatsächlich aufgenommen und übertragen werden kann.

Die endgültige Entscheidung erfolgt immer nach folgendem Ablauf:

  • Messung der Sattellage
  • Orientierung für mögliche Kopfeisenweiten
  • Prüfung des Kopfeisens am Pferd
  • Einbau des passenden Kopfeisens im Sattel
  • Feinanpassung der Kissen und Polster

Leitsatz

Die Messung beschreibt den Zustand der Sattellage.
Die Auswahl des Kopfeisens erfolgt immer durch praktische Prüfung am Pferd, bevor es als statische Basis im Sattel verbaut wird.