Prüfprotokoll
Prüfprotokoll zur funktionalen Sattelpassformbeurteilung beim Reitpferd
Dieses Dokument beschreibt ein standardisiertes Untersuchungsverfahren zur Feststellung der funktionalen Gebrauchstauglichkeit eines Reitsattels am Pferd im Untersuchungszeitpunkt.
Einblick in die praktische Arbeit
Das folgende Video zeigt einen Ausschnitt aus der Vorbereitung einer funktionalen Sattelprüfung am Pferd.
Zu sehen sind unter anderem die Markierung der Position GL, die Kontrolle verschiedener Kopfeisen sowie der Einsatz der Kontroll-Auflage 1–2° zur Absicherung der Einbauentscheidung.
1. Zweck der Untersuchung
→ 1. Zielsetzung
Dieses Prüfprotokoll beschreibt ein strukturiertes Verfahren zur Feststellung des funktionalen Zustands der Passform eines Reitsattels am Pferd zum Zeitpunkt der Untersuchung.
Ziel ist die nachvollziehbare Dokumentation, ob die Gebrauchstauglichkeit des Sattels im Hinblick auf die Belastungsverteilung im Bereich der Sattellage gegeben ist.
Die Untersuchung stellt keine Trainings-, Therapie- oder Kaufempfehlung dar und dient ausschließlich der technischen Zustandsfeststellung.
2. Geltungsbereich
→ 2. Anwendungsbereich
Das Verfahren gilt für Reitsättel mit Auflage im Bereich der thorakalen Sattellage des Pferdes, unabhängig von Bauart, Hersteller oder Alter.
Beurteilt wird die funktionale Interaktion zwischen Pferdekörper, Sattelkonstruktion und aktueller Nutzungskonfiguration.
Die Beurteilung erfolgt stets als Momentaufnahme unter den vorgefundenen Bedingungen.
3. Untersuchungsgrundlagen
→ 3. Systemgrundlagen
Die Beurteilung basiert auf folgenden Grundannahmen:
- Die Sattellage des Pferdes ist ein dynamisch veränderlicher Körperbereich.
- Die Passform eines Sattels stellt keinen dauerhaften Zustand dar.
- Eine Abweichung von einer optimalen Lastverteilung stellt für sich genommen keinen rechtlichen Sachmangel im Sinne des Kaufrechts dar.
- Maßgeblich ist die funktionale Gebrauchstauglichkeit im Untersuchungszeitpunkt.
4. Identifikation
→ 4. Objektidentifikation
Vor Beginn der Untersuchung sind festzuhalten:
- Identität des Pferdes (z. B. Transpondernummer)
- Identität des Sattels (Hersteller, Modell, Seriennummer soweit vorhanden)
- verwendete Ausrüstung (Unterlagen, Gurtung, Steigbügelriemenposition)
- Nutzungszustand zum Zeitpunkt der Untersuchung
5. Untersuchungsablauf
→ 5. Untersuchungsverfahren
5.1 Untersuchung am Pferd
Erfassung des Allgemeinzustands der Sattellage:
- Muskelstatus
- Symmetrie
- lokale Reaktionen auf Druck
- Beweglichkeit im Schulterbereich
- Einflussfaktoren (Haltung, Trainingszustand, Jahreszeit)
Messungen erfolgen an reproduzierbaren Referenzpunkten entlang der Sattellage.
5.2 Untersuchung am Sattel
Feststellung der konstruktiven Eigenschaften:
- Kopfeisenweite / Winkel
- Ortganglänge
- Kissenform und Auflagegeometrie
- strukturelle Stabilität des Sattelbaums
- Symmetrie
Die Prüfung erfolgt ohne Veränderung der vorgefundenen Nutzungseinstellung.
5.3 Funktionsprüfung
Beurteilung der Interaktion zwischen Pferd und Sattel:
- Schwerpunktlage des Sattels
- Auflagekontinuität
- lokale Druckzonen
- Bewegungsfreiheit im Schulterbereich
- Stabilität in Längs- und Querrichtung
6. Bewertungssystematik
→ 6. Bewertungskriterien
Die Beurteilung erfolgt nach funktionalen Kriterien, nicht nach idealtypischen Formvorstellungen.
Bewertet wird, ob die Lastverteilung innerhalb der physiologischen Belastungszonen der Sattellage erfolgt.
Unterschieden werden folgende Zustände:
- funktionsgerecht verwendbar
- eingeschränkt funktionsgerecht verwendbar
- nicht funktionsgerecht verwendbar
7. Abgrenzung Sachmangel / Anpassungsbedarf
→ 7. Technische Abgrenzung von Funktionsabweichungen
Ein Anpassungsbedarf infolge körperlicher Veränderung des Pferdes oder nutzungsbedingter Formveränderung des Sattels stellt grundsätzlich keinen konstruktiven Sachmangel dar.
Ein Sachmangel liegt nur vor, wenn die Funktionsbeeinträchtigung aus der Bauart oder einem strukturellen Defekt des Sattels resultiert.
8. Dokumentation
→ 8. Dokumentationsanforderungen
Alle Feststellungen sind nachvollziehbar zu dokumentieren:
- Messpunkte
- Beobachtungen
- Fotodokumentation
- Zuordnung von Ursache und Wirkung
Die Dokumentation dient der Überprüfbarkeit der Untersuchung durch fachkundige Dritte.
9. Grenzen des Verfahrens
→ 9. Verfahrensgrenzen
Die Untersuchung bewertet ausschließlich den Zustand zum Zeitpunkt der Prüfung.
Nicht Bestandteil sind:
- Prognosen zur weiteren Entwicklung
- Trainings- oder Reitempfehlungen
- therapeutische Beurteilungen
- haftungsrechtliche Bewertungen
10. Charakter der Feststellung
Die Untersuchung stellt eine technische Zustandsfeststellung dar.
Sie bewertet weder den Herstellungszustand noch den Übergabezustand und enthält keine rechtliche Verantwortlichkeitszuordnung.
