Allein der Aufenthalt auf der Koppel reicht in der Regel nicht aus, um ein Pferd ausreichend auf eine Sattelkontrolle vorzubereiten.
Damit eine Sattelkontrolle, Sattelanpassung oder Kopfeisenprüfung zuverlässig durchgeführt werden kann, muss das Pferd zunächst möglichst locker, beweglich, sauber, trocken und entspannt sein. Nur dann lassen sich Muskulatur, Schulterblattbewegung, Rückenform, Haut, Fell und Sattellage fachgerecht beurteilen.
Ein Pferd besitzt keine feste Rückenform, sondern zeigt je nach Trainingszustand, Losgelassenheit, Tagesform und Beweglichkeit unterschiedliche Ausprägungen seiner Muskulatur.
Bereits geringe Verspannungen, eine längere Ruhephase oder ungünstige äußere Bedingungen können das Ergebnis beeinflussen.
📋 Wichtige Hinweise für den Termin #
- ❌ Nicht direkt nach längeren Ruhe- oder Schlafphasen vorstellen
- 😌 Locker und entspannt, aber nicht geritten oder trainiert vorstellen
- 🪶 Nicht gesattelt und nicht unmittelbar vor dem Termin gearbeitet vorstellen
- 🔄 Falls sinnvoll: lockere Bewegung an der Hand oder kurzes Longieren ohne Hilfszügel und ohne Longiergurt
- 🧽 Sauber, trocken und gründlich geputzt vorstellen: Das Pferd sollte zum Termin möglichst trocken, sauber und gründlich geputzt sein. Die spätere Sattel- und Gurtlage sollte sorgfältig von Schmutz, Staub, Haaren, Sand, Feuchtigkeit und eingetrocknetem Schweiß befreit werden. Gründliches Putzen dient dabei nicht nur der Sauberkeit, sondern auch der Kontrolle von Haut, Fell, Muskulatur und möglichen Auffälligkeiten. Weitere Hinweise hierzu finden Sie im Beitrag Warum das Putzen mehr ist als nur Sauberkeit.
- 🤸 Leichte Dehn- und Lockerungsübungen können hilfreich sein
Warum diese Vorbereitung so wichtig ist #
Viele Pferdebesitzer gehen davon aus, dass bei einem Satteltermin hauptsächlich der Sattel geprüft wird.
Tatsächlich beginnt die Beurteilung jedoch bereits beim Pferd.
Ein Pferd, das unmittelbar aus einer längeren Ruhephase kommt, noch nicht ausreichend gelockert wurde oder in einem nassen, verschmutzten Zustand vorgestellt wird, zeigt häufig andere Voraussetzungen als ein Pferd in einem für die Beurteilung geeigneten Zustand.
⚠️ Bitte stellen Sie Ihr Pferd sauber und trocken vor #
Eine fachgerechte Sattelbegutachtung setzt voraus, dass das Pferd zum Termin nicht nur geputzt, sondern möglichst auch trocken ist.
Ein stark verschwitztes, durchnässtes oder unmittelbar zuvor abgespritztes Pferd erschwert die Untersuchung erheblich. Muskulatur, Haut und Fell fühlen sich im nassen Zustand anders an als im normalen Zustand. Druckempfindlichkeiten, Schwellungen, Verhärtungen oder andere Auffälligkeiten lassen sich dadurch deutlich schwerer erkennen und beurteilen.
Hinzu kommt, dass ungeputztes oder nasses Fell häufig Schmutz, Staub, lose Haare und Hautablagerungen bindet. Gerade im Bereich von Schulter, Widerrist, Rücken, Gurtlage und Vordergliedmaßen ist eine sorgfältige Tastuntersuchung dann nur eingeschränkt möglich.
Bitte verzichten Sie daher darauf, Ihr Pferd unmittelbar vor dem Termin abzuspritzen oder völlig durchnässt vorzustellen. Ein sauber geputztes und möglichst trockenes Pferd schafft die Grundlage für eine zuverlässige Beurteilung von Muskulatur, Beweglichkeit, Haut, Fell und Sattellage.
Warum das Putzen dabei mehr ist als reine Fellpflege, habe ich hier ausführlich beschrieben: Warum das Putzen mehr ist als nur Sauberkeit.
Eine Sattelkontrolle besteht nicht nur aus dem Auflegen eines Sattels. Regelmäßig werden Muskulatur, Schulterbereich, Rücken, Gurtlage und Vordergliedmaßen abgetastet und beurteilt.
Ein ungeputztes, nasses Pferd erschwert diese Arbeiten erheblich. Deshalb gehört es zur Vorbereitung eines Termins, das Pferd möglichst trocken und in einem Zustand vorzustellen, der eine fachgerechte Untersuchung überhaupt zulässt.
Bereits dadurch können sich wichtige Beurteilungsmerkmale verändern.
Dazu gehören beispielsweise:
- Schulterblattbewegung
- Rückenform
- Muskelspannung
- Beweglichkeit des Brustkorbs
- Beurteilung der Kopfeisenweite
- Lage und Balance des Sattels
Deshalb genügt es nicht, einen Sattel aufzulegen und die Situation im Stand zu betrachten.
Zunächst muss beurteilt werden, ob das Pferd überhaupt seinen normalen Bewegungszustand zeigt.
In der Praxis zeigen sich immer wieder deutliche Unterschiede zwischen einem direkt aus der Ruhephase vorgestellten Pferd und demselben Pferd nach einer gezielten Lockerung.
Bereits dadurch können sich wichtige Beurteilungsmerkmale verändern. Hierzu gehören beispielsweise die Schulterblattaktivität, die Beweglichkeit des Brustkorbs, die Rückenform sowie die funktional benötigte Kopfeisenweite.
Nicht selten entsteht zunächst der Eindruck, ein Sattel oder Kopfeisen müsse verändert werden. Nach einer gezielten Lockerung des Pferdes zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Deshalb beginnt eine fachgerechte Beurteilung nicht am Sattel, sondern zunächst beim aktuellen Zustand des Pferdes.
Die eigentliche Herausforderung besteht daher nicht darin, einen Sattel oder ein Kopfeisen zu verstellen, sondern zunächst sicherzustellen, dass das Pferd überhaupt in einem Zustand vorgestellt wird, der eine fachlich fundierte Beurteilung zulässt.
Lockerung bedeutet nicht „Warmreiten“ #
Ziel der Vorbereitung ist ausdrücklich nicht, das Pferd vor dem Termin zu trainieren oder zu ermüden.
Es geht lediglich darum, dem Pferd die Möglichkeit zu geben, Verspannungen abzubauen und seine normale Beweglichkeit zu erreichen.
Je nach Alter, Gesundheitszustand und Trainingszustand können hierzu beispielsweise gehören:
- ruhiges Führen
- große Bögen in der Halle
- aktive Vorwärts-Abwärts-Dehnung
- vorsichtige Mobilisation des Halses
- leichte Aktivierung der Rumpftragemuskulatur
- lockere Bewegung ohne zusätzliche Belastung
Gerade ältere Pferde benötigen hierfür häufig etwas mehr Zeit als junge und bewegliche Pferde.
Nicht jedes Pferd kann oder sollte hierfür auf engem Zirkel longiert werden. Oft sind große Bögen oder lockere Bewegung durch die gesamte Halle die bessere Lösung.
Koppelgang ersetzt keine gezielte Vorbereitung #
Ein häufiger Irrtum besteht darin anzunehmen, dass ein Pferd nach dem Aufenthalt auf der Koppel automatisch ausreichend gelockert ist.
Viele Pferde stehen auf der Koppel über längere Zeit ruhig oder bewegen sich nur wenig. Andere Pferde bewegen sich zwar viel, zeigen aber dennoch eine gewisse Steifheit oder Verspannung.
Ein kurzer Koppelgang ist daher keine Garantie dafür, dass das Pferd für eine fachliche Beurteilung bereits seinen normalen Arbeitszustand erreicht hat.
💡 Zum Vergleich #
Wer morgens direkt nach dem Aufstehen ohne jede Vorbereitung einen schweren Rucksack aufsetzen und anschließend eine sportliche Höchstleistung erbringen müsste, würde vermutlich ebenfalls nicht seine normale Beweglichkeit zeigen.
Beim Pferd ist das nicht anders.
Deshalb bildet die Vorbereitung des Pferdes die Grundlage für jede fachlich nachvollziehbare Beurteilung von Rückenform, Schulterfreiheit, Muskulatur und Sattellage.
Die technische Verstellbarkeit eines Sattels ersetzt nicht die Beurteilung des Pferdes.
Bevor über Kopfeisenweiten, Kammerweiten oder andere Anpassungen entschieden wird, muss das Pferd zunächst in einem möglichst gelösten und für die Beurteilung geeigneten Zustand vorgestellt werden.
Andernfalls besteht die Gefahr, dass nicht die tatsächliche Arbeitsform des Pferdes beurteilt wird, sondern lediglich ein momentaner Spannungs- oder Ruhezustand.
Weitere Informationen zur Beurteilung der Schulterblattbewegung und der funktionalen Kopfeisenkontrolle finden Sie hier:
➡️ Ergänzende Grenzbereichsprüfung (1–2°-Kontrolle)
➡️ Wie ermittle ich die richtige Kopfeisenweite?
➡️ Grundlagen für eine fachgerechte Sattelbegutachtung
