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Aktives Schulterblatt, was bedeutet dies?

Das Schulterblatt des Pferdes bewegt sich unter dem Sattel aktiv nach hinten.
Wird dieser Bewegungsraum eingeschränkt, entstehen zwangsläufig Kompensationen – unabhängig davon, ob der Sattel im Stand passend erscheint.

Es ist kein fester Punkt – genau das ist für die Sattelpassform entscheidend.

Im Gegensatz zum Menschen besitzt das Pferd kein knöchernes Schlüsselbein.
Die Schulter ist nicht starr verbunden, sondern über Muskulatur und Faszien aufgehängt.

👉 Eine dauerhaft feste, unveränderliche Breite existiert nicht – sondern ein dynamischer Bewegungsraum.

Die oft gesuchte „richtige“ Kopfeisenweite ist daher immer nur eine Momentaufnahme.
👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/wie-stelle-ich-die-aktuell-richtige-kopfeisenweite-fest/

Eine statische Betrachtung im Stand kann diesen Veränderungen nicht gerecht werden.


Bedeutung der Bewegung #

Das Schulterblattende liegt unter dem Sattel und ist von außen nur eingeschränkt sichtbar.
In der Bewegung rotiert das Schulterblatt deutlich nach hinten unter den Sattel.

Unterhalb des aktiven Schulterblattbereichs befindet sich der tragende Bereich der Sattellage, den die Ortgangschenkel des Sattels in Länge und Verlauf funktionell erreichen müssen.

Warum die Länge der Ortgänge individuell ist #

Der tragende Bereich eines Sattels entsteht nicht pauschal durch die Rasse oder eine allgemeine Typbezeichnung des Pferdes.

Entscheidend ist vielmehr die individuelle Kombination aus:

  • Rückenform
  • Widerristform
  • Lage und Bewegung des Schulterblatts
  • Winkelung im Bereich der Sattellage
  • Bemuskelung und Bewegungsdynamik

Unterhalb des aktiven Schulterblattbereichs entsteht ein funktioneller tragender Bereich, den die Ortgangschenkel des Sattels erreichen und stabil abstützen müssen.

Ähnlich wie bei Dachsparren reicht hierbei nicht allein der Winkel aus. Auch die Länge der tragenden Struktur muss zur vorhandenen Form passen.

Zu kurze oder ungeeignet verlaufende Ortgänge können dazu führen, dass die notwendige Stabilität im Bereich der Sattellage fehlt. Hierdurch kann sich die Lage des Sattels unter Belastung verändern.

Deshalb lassen sich solche Zusammenhänge nicht zuverlässig allein über Rassebezeichnungen oder vereinfachte Tabellen beurteilen.

👉 Genau dieser Bereich wird häufig nicht ausreichend berücksichtigt.

Eine Beurteilung des Sattels nur im Stand ist deshalb nicht ausreichend.
Entscheidend ist, was in Bewegung und unter Belastung passiert.

Viele Reiter nehmen erste Veränderungen wahr – ordnen sie jedoch häufig nicht korrekt ein.


Typische Fehlinterpretationen #

Ein sichtbares Beispiel sind hustende Pferde oder rutschende Sättel.
Statt die Ursache zu prüfen, wird der Sattel häufig mit stärkerer Gurtung fixiert.

👉 Das kann die Atemhilfsmuskulatur einschränken und das Problem verstärken.

Veränderungen wie:

  • Rumpfabsenkung
  • Trageerschöpfung
  • „Axthieb“

zeigen, dass das System bereits über längere Zeit aus dem Gleichgewicht geraten ist.

👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/welche-probleme-bestehen-bei-der-beurteilung-von-pferden/

Solche Entwicklungen werden oft erst spät erkannt – ihre Ursachen liegen jedoch deutlich früher.

Der Bewegungsbereich des Schulterblattes ist nicht statisch.
Er verändert sich durch Bewegung, Training und Belastung.

Übung zum Verständnis #

Um den Bewegungsbereich wirklich zu verstehen, reicht Theorie allein nicht aus.

Ziel der Übung:
Sie spüren direkt, wie weit sich das Schulterblatt nach hinten bewegt und welcher Bereich unter dem Sattel frei bleiben muss.

Vorbereitung:

  • Schulterblattende ertasten
  • ca. 3 Finger / 5 cm dahinter eine Linie markieren (GL)
  • diese Linie überbrückt den aktiven Bereich

Durchführung:

  • seitlich am Pferd positionieren
  • Hände wie beschrieben anlegen
  • zweite Person hebt das Vorderbein nach vorne

👉 Unter den Händen wird die Bewegung des Schulterblattes (ca. 3–5 cm nach hinten) direkt spürbar.

Schlussfolgerung:
Befindet sich in diesem Bereich ein Hindernis (z. B. ein unpassendes Kopfeisen), muss das Pferd ausweichen oder kompensieren.

👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/wie-ermittle-ich-den-winkel-meines-kopfeisens/

💡 Tipp: Markierungen mit Kreide erleichtern die Sichtbarkeit.

Bedeutung für die Sattelanpassung #

Die Referenzposition liegt senkrecht beim stehenden Pferd 5 cm hinter dem Schulterblatt (GL).
Die Angabe „drei Finger“ ist nur eine grobe Orientierung und muss individuell überprüft werden.

👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/wie-kann-ich-schauen-welches-kopfeisen-infrage-kommt/

Wichtig:
Die Aktivität des Schulterblattes variiert deutlich.

👉 Bei gleichem Maß im Stand kann in Bewegung ein deutlich breiteres Kopfeisen erforderlich sein.


Ursachen im System (entscheidend) #

Wird der Bewegungsraum des Schulterblattes eingeschränkt, liegt die Ursache selten in einem einzelnen Faktor.

Typische Einflussbereiche sind:

  • ungeeignete Kopfeisenweite oder Baumform
  • unpassende vordere Sattelstatik
  • ungleichmäßige oder ungeeignete Kissenfüllung
  • ungünstige Sattelposition
  • ungeeignete Sattelunterlagen

👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/sattelunterlagen-was-ist-zu-beachten/


⚠️ Strippenführung und Gurtzugrichtung #

Ein häufig unterschätzter Faktor ist die Strippenführung in Verbindung mit der Bauchgurtlage.

Ist die Zugrichtung des Gurtes ungünstig, kann der Sattel:

  • nach vorn gezogen werden
  • oder im vorderen Bereich fixiert werden

👉 Dadurch verändert sich die Lage der Baumspitzen zur Schulter.

Selbst bei passender Kopfeisenweite kann so der Bewegungsraum des Schulterblattes eingeschränkt werden.

👉 Die Strippenführung ist damit ein funktionaler Bestandteil der gesamten Sattelstatik.


Fazit #

Eine Vermessung im Stand reicht nicht aus.
Sie ist nur ein Baustein – entscheidend ist die Beurteilung in Bewegung und unter Belastung.

👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/welche-probleme-bestehen-bei-der-beurteilung-von-pferden/


⚠️ Wichtiger Hinweis → Konsequenz / Warnung #

Wird das Kopfeisen durch Veränderungen am Pferd zu eng oder zu weit, entstehen häufig Probleme in der Gurtlage.

Diese können zu:

  • Druckstellen
  • Schmerzen
  • langfristigen Schäden

führen.

👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/satteldruck-was-ist-zu-tun/

Bereits erste Veränderungen sind ein Warnsignal.

👉 Kontrollieren Sie diesen Bereich konsequent vor und nach jedem Ritt.


Weiterführende Themen #

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