Nein, ich arbeite nicht auf Grundlage eines reinen Sattelmessgitters oder vergleichbarer vereinfachter Formschablonen-Systeme.
Diese Methode ist ein Baustein – keine vollständige Passformbeurteilung. Unterschiedliche Messverfahren erfassen jeweils nur bestimmte Größen, beispielsweise Form, Abstand, Winkel, Druck oder Oberflächentemperatur.
Warum kein einzelnes System die gesamte Sattelsituation abbildet und nach welchen Kriterien der tatsächliche Erkenntnisgewinn beurteilt werden sollte, lesen Sie unter: Warum wird vermessen?
Der Grund hierfür ist, dass solche Systeme in vielen Fällen lediglich einzelne Körperformen statisch abbilden, ohne dabei ausreichend zu berücksichtigen:
- Bewegung des Pferdes,
- tatsächliche Funktion des Sattels unter Belastung,
- Lage und Aktivität des Schulterblatts,
- geometrische Form des Sattelbaums,
- Winkelstellung der Ortgangenden,
- Veränderungen unter Reitergewicht,
- sowie die reale Interaktion zwischen Pferd, Reiter und Sattel.
Hinzu kommt, dass für viele dieser Systeme keine einheitliche oder verbindliche Methodik existiert:
- Messpunkte,
- Referenzbereiche,
- Interpretation
und - praktische Anwendung
werden teilweise unterschiedlich gehandhabt.
Eine Formaufnahme allein erlaubt daher aus meiner Sicht keine ausreichend belastbare Aussage über die tatsächliche funktionelle Passform eines Sattels.
Herstellerinterne Kammerweitenangaben wie beispielsweise „32“, „33“ oder „Medium/Wide“ sind ebenfalls nur eingeschränkt aussagekräftig, da sie häufig keine direkte und reproduzierbare Aussage über die tatsächliche Winkelgeometrie des Sattelbaums zulassen.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen daher:
- die tatsächliche Geometrie des Sattelbaums,
- die funktionelle Freiheit im Bereich hinter dem aktiven Schulterblatt,
- die Betrachtung unter Belastung,
- sowie die nachvollziehbare Einordnung des gesamten Pferd-Reiter-Sattel-Systems.
Messhilfen können zur ergänzenden Dokumentation einzelner Bereiche verwendet werden, ersetzen jedoch keine systematische fachliche Untersuchung.
Selbst bei umfangreichen Messsystemen wie dem Messgerippe nach Christoph Rieser bildet die erfasste Rückenform lediglich eine statische Ausgangsbasis. Die eigentliche Beurteilung erfolgt erst durch die Kombination mit Fotos, Schulterblattlage, Muskulatur, Oberlinienverlauf, Gurtung, Reiterdaten und den zu erwartenden Veränderungen des Pferdes in der Bewegung. Ein Messgitter allein liefert daher noch keine sichere Aussage zur späteren Sattellage.
Ein Messgitter oder Messgerippe kann eine Rückenform dokumentieren. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass ein bestimmter Sattel passt.
Die Passform eines Sattels ergibt sich nicht allein aus einer statischen Formaufnahme, sondern aus der Bewertung von Schulterfreiheit, Auflagefläche, Schwerpunkt, Gurtung, Muskulatur, Bewegungsverhalten und den individuellen Anforderungen von Pferd und Reiter.
Das bloße Vergleichen eines Rückenabdrucks mit der Unterseite eines Sattels stellt daher keine vollständige Sattelprüfung dar.
Das Problem liegt nicht im Messgitter oder Scan selbst, sondern in der Erwartungshaltung.
Eine Rückenformaufnahme kann Informationen liefern und Veränderungen dokumentieren. Sie ersetzt jedoch weder die Beurteilung von Schulterfreiheit, Gurtung, Schwerpunkt, Muskulatur, Bewegungsverhalten noch die eigentliche Sattelprüfung am Pferd.
Wer aus einer einzelnen Formaufnahme unmittelbar auf die Passform eines Sattels schließen möchte, überschätzt die Aussagekraft des Verfahrens erheblich.
Hinweis zur Gesamtbeurteilung eines Sattels #
Ein Sattelmessgitter oder eine Widerristschablone kann lediglich einzelne Körperbereiche des Pferdes abbilden – meist im vorderen Bereich der Sattellage.
Probleme an anderen Bereichen des Sattels bleiben hierbei häufig vollständig unberücksichtigt. Dies betrifft unter anderem:
- Verformungen oder Fehlstellungen des Sattelbaums
- Probleme im Bereich des Eftereisens
- asymmetrische Belastungen
- Instabilitäten der Baumkonstruktion
- Veränderungen unter dynamischer Belastung
- Einfluss von Kissenform und Kissenfüllung
Gerade deshalb lohnt es sich häufig, einen vorhandenen Sattel zunächst genauer zu untersuchen, bevor vorschnell neue Messwerte oder Schablonen erstellt werden.
Weitere Informationen hierzu finden Sie unter:
Warum es sich lohnt, Sättel zunächst genauer anzuschauen
Weitere Informationen hierzu finden Sie unter:
