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Arbeiten Sie mit HORSESHAPE?

Nein, ich arbeite nicht mit HORSESHAPE.

Das bedeutet nicht, dass ich eine dreidimensionale Dokumentation des Pferderückens grundsätzlich für unbrauchbar halte. HORSESHAPE kann die äußere Rückenform eines Pferdes im Stand digital erfassen, online speichern und als dreidimensionales Modell darstellen.

Für meine praktische Arbeit stellt sich jedoch eine andere Frage:

Welche zusätzliche Information liefert mir der Scan für die aktuelle Veränderung eines Sattels, die ich nicht bereits unmittelbar am Pferd feststellen, umsetzen und anschließend kontrollieren kann?

Diese Methode ist ein Baustein – keine vollständige Passformbeurteilung. Unterschiedliche Messverfahren erfassen jeweils nur bestimmte Größen, beispielsweise Form, Abstand, Winkel, Druck oder Oberflächentemperatur.

Warum kein einzelnes System die gesamte Sattelsituation abbildet und nach welchen Kriterien der tatsächliche Erkenntnisgewinn beurteilt werden sollte, lesen Sie unter: Warum wird vermessen?

Nach meiner Abwägung stehen der finanzielle und organisatorische Aufwand für dieses System bei meiner Arbeitsweise nicht in einem angemessenen Verhältnis zum zusätzlichen praktischen Nutzen.

Was leistet HORSESHAPE? #

Nach der Darstellung des Herstellers wird der Pferderücken mit einem optischen 3-D-Scanner vermessen. Die aufgenommenen Daten werden auf der Onlineplattform myHORSESHAPE gespeichert und können dort dreidimensional betrachtet und mit späteren Messungen verglichen werden.

Aus den Messdaten können außerdem unterschiedliche Darstellungen und Modelle erzeugt werden. Dazu gehört unter anderem das zweiteilige FittingSet:

  • Der Saddleguide bildet den zum Messzeitpunkt aufgenommenen Pferderücken als Positivmodell ab und kann zur Arbeit am Sattel verwendet werden.
  • Der Shapeproof bildet den Rücken als Negativmodell ab und soll durch späteres Auflegen Veränderungen gegenüber dem ursprünglichen Zustand sichtbar machen.

HORSESHAPE ermöglicht damit eine technisch aufwendige und räumlich anschauliche Dokumentation der äußeren Rückenform. Das ist zunächst eine nachvollziehbare Leistung.

Wichtig ist die richtige Einordnung:

Der Scan dokumentiert die äußere Form des Pferderückens zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er beurteilt nicht selbstständig die Funktion des Sattels und nimmt auch keine Veränderung daran vor.

Die Vermessung erfolgt am stehenden Pferd #

HORSESHAPE beschreibt die Vermessung ausdrücklich als Aufnahme des entspannt und gleichmäßig belastet stehenden Pferdes. Der Hersteller bezeichnet diese Standmessung als Grundlage für die weitere Arbeit des Sattelfachmanns und weist darauf hin, dass sie beispielsweise durch Fotos und Videos ergänzt werden kann.

Damit wird zugleich eine wichtige Grenze deutlich: Die Standaufnahme allein bildet nicht das gesamte funktionale System ab.

Für die Sattelbeurteilung benötige ich zusätzlich unter anderem:

  • die tatsächliche Sattellage,
  • den Verlauf und die Funktion der Gurtlage,
  • die tragfähige Rückenlinie,
  • die erforderliche Länge und Winkelung der stabilen Ortgänge,
  • den muskulären und allgemeinen Zustand des Pferdes,
  • das Verhalten des vorhandenen Sattels unter Belastung,
  • die Bewegung des Schulterblattes,
  • die Lage und Balance des Reiters,
  • und die Reaktion des Pferdes beim Reiten.

Ein Pferderücken ist kein starres Bauteil. Muskelspannung, Rumpfaktivität, Haltung und Rückenform können sich unter Bewegung und Belastung anders darstellen als beim ruhigen Stehen in der Stallgasse.

Eine statische Rückenaufnahme kann deshalb eine fachliche Untersuchung unterstützen. Sie ersetzt jedoch nicht die gemeinsame Beurteilung von Pferd, Reiter und Sattel unter den tatsächlichen Nutzungsbedingungen.

Weitere Hintergründe: Das Problem mit der Vermaßung von Pferden im Stand .

Objektive Messpunkte ergeben noch keine objektive Sattelentscheidung #

HORSESHAPE wirbt mit einer schnellen, millimetergenauen und objektiven Vermessung der Rückenoberfläche. Eine technisch präzise Punktewolke kann durchaus objektive Koordinaten enthalten.

Die fachliche Bedeutung dieser Daten entsteht jedoch nicht automatisch. Weiterhin muss ein Mensch beurteilen:

  • welcher Bereich des Rückens für den Sattel relevant ist,
  • wo die tragfähige Auflage beginnt und endet,
  • wie die erfasste Form anatomisch einzuordnen ist,
  • welcher Sattelbaum dazu geeignet sein könnte,
  • welche Veränderung der vorhandene Sattel benötigt,
  • und ob das anschließend erreichte Ergebnis am Pferd funktioniert.
Objektive Koordinaten ergeben noch keine objektive Sattelentscheidung.

Auch eine digital erzeugte Rückenform muss anatomisch eingeordnet, mit dem Sattel verglichen und anschließend unter den tatsächlichen Nutzungsbedingungen überprüft werden.

Die Cloud speichert die Messung – nicht den aktuellen Pferderücken #

Die aufgenommenen Daten werden auf der Plattform myHORSESHAPE online gespeichert. Sowohl der Fachmann als auch der Pferdebesitzer können die dort hinterlegten Messungen einsehen und unterschiedliche Aufnahmen miteinander vergleichen.

Eine solche Archivierung kann für die Dokumentation früherer Entwicklungsstände interessant sein. Dabei müssen jedoch drei Dinge voneinander getrennt werden:

  1. Die Messdaten sind gespeichert.
  2. Die Messdaten sind möglicherweise weiterhin abrufbar.
  3. Die Messdaten bilden den heutigen Pferderücken ab.

Nur die ersten beiden Punkte können durch eine Onlineplattform erfüllt werden. Der dritte Punkt setzt eine neue Beurteilung oder eine neue Messung voraus.

Dauerhaft gespeichert bedeutet nicht dauerhaft aktuell.

Ein älterer 3-D-Scan dokumentiert einen früheren Zustand des Pferderückens. Die Cloud konserviert die Messdaten – nicht die Rückenform des Pferdes.

Training, Haltung, Fütterung, Jahreszeit, Alter, Erkrankungen, Gewichtsveränderungen und Trainingspausen können die Sattellage beeinflussen. Eine Aufnahme von einem bestimmten Tag bleibt deshalb ein historisches Dokument.

Für eine aktuelle Sattelanpassung ist nicht entscheidend, wie das Pferd vor einem Jahr aussah, sondern welchen Zustand Pferd und Sattel heute zeigen.

Ein Vergleich benötigt weitere Messungen #

Der Nutzen einer langfristigen digitalen Dokumentation entsteht erst, wenn später weitere Aufnahmen unter möglichst vergleichbaren Bedingungen hinzukommen.

HORSESHAPE empfiehlt in seinen häufig gestellten Fragen ohne vorhandenes FittingSet mindestens eine jährliche, vorzugsweise sogar eine halbjährliche Neuvermessung.

Damit wird deutlich: Auch nach der ersten digitalen Aufnahme ist der aktuelle Zustand des Pferdes nicht dauerhaft bekannt. Für eine fortlaufende Dokumentation werden neue Messungen benötigt.

Je nach Anbieter und gewähltem Leistungsumfang können damit verbunden sein:

  • Kosten für die erste Messung,
  • Anfahrtskosten,
  • Kosten für spätere Wiederholungsmessungen,
  • gegebenenfalls Kosten für ein FittingSet oder weitere Modelle,
  • und Zeitaufwand für die fachliche Auswertung.

Der Hersteller nennt für eine ScanKit-Messung derzeit eine unverbindliche Preisempfehlung von 79 Euro brutto zuzüglich Anfahrt. Den tatsächlichen Endpreis legt der jeweilige Anbieter fest.

Die Höhe eines Preises macht eine Leistung nicht automatisch sinnvoll oder unsinnig. Vor der Beauftragung sollte jedoch nüchtern geklärt werden, welche konkrete zusätzliche Entscheidung durch den Scan ermöglicht wird.

Vor einer kostenpflichtigen 3-D-Messung sollte gefragt werden:
  • Welche konkrete fachliche Frage soll der Scan beantworten?
  • Welche Entscheidung am Sattel fällt dadurch anders aus?
  • Wäre diese Information auch mit einer geeigneten Abformung oder Schablone zu gewinnen?
  • Welche weiteren Kosten entstehen für Wiederholungsmessungen und Modelle?
  • Wie lange bleibt der Plattformzugang bestehen?
  • Können die vollständigen Daten unabhängig vom jeweiligen Anbieter exportiert werden?
  • Wer darf die Daten später tatsächlich verwenden?

Was nützt ein altes Rückenmodell für die heutige Anpassung? #

Ein älterer Scan oder ein daraus hergestelltes Modell kann zeigen, wie der Rücken zum Zeitpunkt der Aufnahme aussah. Das kann für einen Entwicklungsvergleich durchaus interessant sein.

Für eine konkrete heutige Sattelanpassung muss dennoch das aktuelle Pferd untersucht werden. Ein früheres Modell zeigt nicht zuverlässig:

  • welche Muskelbereiche heute tragfähig sind,
  • wie sich die Gurtlage entwickelt hat,
  • ob das Pferd Gewicht zu- oder abgenommen hat,
  • wie der Sattel heute unter Belastung liegt,
  • oder welche unmittelbare Veränderung jetzt erforderlich ist.

Ein gespeicherter Datensatz kann daher eine Ergänzung der Dokumentation sein. Er darf aber nicht mit einer aktuellen Passformbeurteilung verwechselt werden.

Mehr zu diesem Thema: Arbeiten nach fremden Maß-Aufzeichnungen und eingescannten Daten .

Warum sehe ich für meine Arbeitsweise keinen ausreichenden Zusatznutzen? #

Mein Ziel ist nicht, möglichst viele Daten zu erzeugen. Ich benötige diejenigen Informationen, die eine aktuelle und überprüfbare Veränderung des Sattels ermöglichen.

Bei meiner Arbeitsweise werden Pferd und Sattel gemeinsam untersucht. Die erforderliche Kopfeisenweite und Winkelung können beispielsweise anhand geeigneter Vergleichsmittel direkt am Pferd bestimmt werden.

Soweit die Konstruktion des Sattels dies zulässt, kann die notwendige Veränderung anschließend zeitnah umgesetzt werden. Danach wird der Sattel erneut aufgelegt und unter dem Reiter kontrolliert.

Der für mich entscheidende Arbeitsablauf:

Pferd und Sattel prüfen → notwendige Veränderung feststellen → Sattel verändern → erneut am Pferd kontrollieren → bei Bedarf weiter korrigieren

Lässt sich die für den vorhandenen Sattel benötigte Veränderung bereits unmittelbar am Pferd nachvollziehbar feststellen, bringt mir eine zusätzliche Digitalisierung des gesamten Rückens für diesen konkreten Arbeitsschritt keinen entscheidenden Vorteil.

Auch ein 1:1-Modell verändert weder das Kopfeisen noch die Sattelkissen. Entscheidend bleibt, wie die aufgenommenen Informationen handwerklich umgesetzt und anschließend am Pferd überprüft werden.

Dokumentation bleibt trotzdem wichtig #

Meine Ablehnung von HORSESHAPE bedeutet nicht, dass ich Messungen und Dokumentationen für überflüssig halte.

Alte Aufzeichnungen können Veränderungen sichtbar machen und helfen, Entwicklungen nachzuvollziehen. Entscheidend ist jedoch, dass der hierfür betriebene Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zur benötigten Information steht.

Für meine Arbeit nutze ich unter anderem das standardisierte Saddle-Check-Mess-System, ergänzende Fotos sowie unmittelbar am Pferd einsetzbare Schablonen und Kopfeisen. Diese Werkzeuge liefern mir die Informationen, die ich für die aktuelle Beurteilung, Veränderung und spätere Vergleichskontrolle benötige.

Weitere Informationen: Informationen zum Saddle-Check-Mess-System .

Mein Fazit #

HORSESHAPE kann den äußeren Pferderücken technisch aufwendig und räumlich dokumentieren. Für bestimmte Anwendungen, eine entfernte Werkstattarbeit oder eine digitale Entwicklungsdokumentation kann dies von Interesse sein.

Für meine eigene Arbeitsweise erkenne ich jedoch keinen ausreichenden zusätzlichen Nutzen, der die Kosten, die wiederkehrenden Messungen und den organisatorischen Aufwand rechtfertigt.

Die entscheidende Frage lautet für mich nicht:

Wie aufwendig können wir den Pferderücken digital festhalten?

Sondern:

Welche Veränderung benötigt der Sattel am heutigen Pferd – und kann das Ergebnis anschließend unmittelbar überprüft werden?

Ein Scan kann einen Zustand dokumentieren. Eine fachgerechte Sattelanpassung benötigt darüber hinaus die aktuelle Untersuchung von Pferd, Sattel und Reiter sowie eine nachvollziehbare handwerkliche Umsetzung.

Weiterführende Informationen #

Hinweis zur Einordnung:

Dieser Beitrag stellt keine pauschale Abwertung digitaler 3-D-Messverfahren dar. Er erläutert, weshalb ich HORSESHAPE für meine eigene Arbeitsweise nicht einsetze. Andere Fachleute können aufgrund anderer betrieblicher Abläufe, räumlicher Entfernungen oder Werkstattkonzepte zu einer anderen Abwägung gelangen.

Quellen zur Systembeschreibung und zu den genannten Herstellerangaben: HORSESHAPE – Technologieübersicht und HORSESHAPE – Häufig gestellte Fragen , zuletzt eingesehen am 16.07.2026.

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