Die Kammerweite bezeichnet eigentlich den Platz zwischen den Kissen im Sattel. Hier in Abhängigkeit davon, wie hoch oder tief die Kissen am Sattelbaum befestigt sind. Zu diesem Thema gibt es leider keine Norm oder Vorschrift.
Praxisbeispiel:
Wie unterschiedlich Hersteller ihre Kammerweiten definieren, zeigt beispielsweise das Schablonensystem der Marke Massimo. Beim Nachmessen der einzelnen Schablonen ergeben sich zwischen den Kammerweiten keineswegs gleichmäßige Winkelabstände. Während die unteren Größen noch etwa 5° auseinanderliegen, nehmen die Unterschiede in den größeren Kammerweiten deutlich zu.
Die Kammerweiten stellen daher keine normierte Maßeinheit dar, sondern lediglich eine herstellerinterne Bezeichnung. Eine Kammerweite 34 oder 36 sagt ohne Kenntnis der zugrunde liegenden Konstruktion noch nichts darüber aus, welcher Kopfeisenwinkel oder welche tatsächliche Eignung für ein Pferd vorliegt.
Aus diesem Grund genügt weder die Angabe einer Kammerweite noch eines Point- oder Fußpunktmaßes, um Sättel verschiedener Hersteller zuverlässig miteinander zu vergleichen.
Es stammt aus einer Zeit, als viele Betriebe und Handwerkszünfte noch ihre eigenen Maßeinheiten hatten, wie die Schneider, die nach dem Ellenmaß arbeiteten. Daher ist es irreführend, wenn Hersteller von einer Kammerweite (KW) schreiben, die Ortgangweite meinen und nicht definieren, wo und wie es, nach heutigen Kriterien von Winkelmaß und Zollstock, am Sattel sicher nachzumessen und einzuordnen ist.
Oftmals hilft hier nur die interne Schablone, um die Winkelung und die damit verbundene Weite festzustellen. Zudem legt der Begriff Kammerweite üblicherweise nur eine Weite und Abstufung (Ortgangweite) in einem Toleranzbereich von ± 2,5 Grad fest. Zunächst eine sehr grobe und ungenaue Abstufung. Wenn man sich das Mal anhand von einseitig angelegten Kopfeisen direkt auf dem Pferd (3 Finger/5 cm hinter dem Schulterblatt) anschaut, dann kommt man schon ins Nachdenken. Nähere Informationen unter: Vergleichswerte zum SimaTree-Kopfeisen-System.
Das S-Bar-Kopfeisen als praktische Vergleichsreferenz #
Bei der Beurteilung von Sätteln nutze ich häufig S-Bar-Kopfeisen als praktische Vergleichsreferenz. Dazu wird ein bekanntes S-Bar-Kopfeisen an den vorhandenen Sattel beziehungsweise an dessen Ortgänge angelegt.
Stimmt der Verlauf nicht vollständig überein und liegen die Fußpunkte des Sattels beispielsweise weiter außen, beschreibe ich dies gelegentlich vereinfacht als „S-Bar Blau plus etwa eine Daumenbreite“. Diese Angabe ist kein eigenes Maßsystem, sondern lediglich eine anschauliche Beschreibung der festgestellten Abweichung am Fußpunkt.
Dies ist deshalb von Bedeutung, weil die Kammerweite bei vielen Herstellern über den Abstand der Ortgänge beziehungsweise Kopfeisenenden am Fußpunkt bestimmt wird. Ein ähnlicher Fußpunktabstand bedeutet jedoch nicht automatisch, dass auch Winkelung, Verlauf und Länge der Ortgänge übereinstimmen.
Ein Kopfeisen kann im oberen Bereich eine vergleichbare Winkelung besitzen, am Fußpunkt aber deutlich weiter oder enger auslaufen. Umgekehrt können ähnliche Fußpunktmaße bei unterschiedlich gewinkelten oder unterschiedlich langen Kopfeisenschenkeln entstehen. Genau deshalb kann die Zuordnung einer Kammerweite je nach Konstruktion unterschiedlich ausfallen.
Orientierung innerhalb des S-Bar-Kopfeisensystems #
| Standardfarbe | Klassifizierte S-Bar-Winkel | Fußpunkt innen ca. |
|---|---|---|
| Grün (N/M) | 71°–75° | 21,8–22,4 mm |
| Schwarz (M) | 76°–80° | 22,5–23,2 mm |
| Blau (M/W) | 81°–85° | 23,4–24,0 mm |
| Rot (W) | 86°–90° | 24,4–25,0 mm |
| Orange (W/XW) | 91°–95° | 25,3–25,9 mm |
| Weiß (XW) | 96°–100° | 26,1–26,7 mm |
| Gelb (XW/XXW) | 101°–105° | 27,0–27,5 mm |
| Silbern (XXW) | 106°–112° | 27,8–28,7 mm |
Bereits innerhalb des S-Bar-Systems steht eine Standardfarbe somit nicht für einen einzigen Winkel oder ein einziges Fußpunktmaß, sondern für einen Bereich. Die farbliche beziehungsweise begriffliche Zuordnung bleibt daher zwangsläufig grob.
Die angegebenen Fußpunktmaße beruhen auf mehreren vermessenen S-Bar-Kopfeisen und dienen ausschließlich zur Orientierung innerhalb dieses Systems. Sie ersetzen weder die Winkelmessung noch die Prüfung des vollständigen Ortgangverlaufs.
Ist das System starr in einem Sattel/Sattelbaum verbaut, hat man schon ohne Kissen ein Problem, die genaue Winkelung zu ermitteln, nachzumessen und dies dann reproduziert am Pferd auf seine Passform zu kontrollieren. Siehe hierzu: Ist die derzeitige Kammerweite im Sattel von außen zu erkennen?
Von außen am Sattel ist die Zuordnung der KW in dieser Grobheit halbwegs richtig einzuschätzen, berücksichtigt aber weder Eignung, Verlauf, Form, Länge oder Stabilität der Ortgänge noch den tatsächlichen aktiven Schulterbereich des Pferdes in der Bewegung.
Wichtiger Hinweis:
Auch Point- oder Fußpunktmaße lösen dieses Problem nicht. Sie hängen unter anderem von der Länge der Ortgänge beziehungsweise Kopfeisenschenkel, der Lage der Messpunkte sowie der Konstruktion und Stabilisierung des jeweiligen Sattelbaums ab. Identische Maße können deshalb zu unterschiedlichen Kopfeisenwinkeln gehören – und umgekehrt.
Warum sich Point- oder Fußpunktmaße verschiedener Sattelbäume deshalb nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen lassen, erläutere ich ausführlich im FAQ „Warum lassen sich Point- oder Fußpunktmaße verschiedener Sattelbäume nicht einfach miteinander vergleichen?“.
Meist hat sich hierzu unter den Kollegen etabliert, dass für den Rest ein Pad dienen soll oder die Kissen im Frontbereich überfüllt werden, was ebenfalls zu Atrophie führt.
Für das Pferd und einen fachgerechten Umgang benötigen wir aber dringend eine wesentlich feinere und sichere Kontrollmöglichkeit und Abstufung, um dem Pferd in seiner Veränderung und Bewegung gerecht zu werden. Zudem muss es ausreichend stabil und veränderbar sein, um dauerhaft anpassbar zu sein und um alle Kräfte sicher abfangen zu können. Da kommt man bei den üblichen Veränderungen von Pferden und mit einem Sattelbaum aus Holz rasch an seine Grenzen. Zudem wird hierfür und für alle Lösungen in diesem Bereich immer eine Fachkraft benötigt.
Ich bin überzeugt, es ist von Vorteil, den Reitern stärker die Möglichkeit zu geben, hier gut eingebunden selbst handeln zu können. Zumindest langfristig, mit entsprechender Einweisung und Support, mit einem selbstständigen Kopfeisentausch die üblichen Veränderungen des Pferdes jeweils zeitnah selbst fachgerecht durchführen zu können. Und viele meiner Kunden beweisen, dass dies auch möglich ist. Hierfür benötigt es gewisse Grundvoraussetzungen, die ich Ihnen gerne vorstellen würde: Was bedeutet dieses SimaTree-System?

Um Ihnen einen kleinen Einblick zu gewähren, warum dies alles so schlecht vergleichbar ist, hier ein kleiner Ausflug in die bestehende Norm BS 7875:2009, die sich als Unterpunkt recht grob mit den Nennweiten befasst und sich hierbei recht schwertut, wie ich finde.
The angle of dimensions of the saddle tree shall be in accordance with Table 1.
| Fitting | Identification | Angle A formed at head of tree (see Figure 1) |
| Narrow | N | 75°–84.9° |
| Medium | M | 85°–94.9° |
| Wide | W | 95°–105° |
| Extra wide | XW | 105°+ |
Table 1 Identification and dimensions
