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Informationen zum „Saddle-Check-Mess-System“

Vorwort #

Um ein Messsystem sinnvoll einzusetzen, muss man seine Grenzen und Schwächen kennen. Werden Ergebnisse verschiedener Messverfahren kombiniert, müssen auch deren Messbedingungen und Unsicherheiten berücksichtigt werden.

Das Saddle-Check-Mess-System arbeitet mit Biegelinealen (Kurvenlinealen) in unterschiedlichen Ausführungen. Diese Hilfsmittel sind nicht geeicht. Vor ihrem Einsatz prüfe ich deshalb ihre Maßmarkierungen und ob sie eine abgenommene Form zuverlässig halten.

Eine Rückenaufnahme ist ein Baustein der Beurteilung, keine vollständige Passformprüfung. Je nach Verfahren werden unterschiedliche Merkmale erfasst, beispielsweise Form, Abstand, Winkel oder Druckverteilung.

Warum kein einzelnes Messverfahren die gesamte Sattelsituation abbildet, erläutere ich unter Warum wird vermessen?

Vier Biegelineale mit Maßmarkierungen neben einem Skalenbandmaß
Biegelineale und Skalenbandmaß zur Kontrolle der Maßmarkierungen vor der Verwendung.

Prüfung der eingesetzten Biegelineale #

Bevor ich ein Biegelineal zur Dokumentation verwende, prüfe ich es anhand eines Referenzmaßes. Dabei kontrolliere ich:

  • ob die Maßmarkierungen ausreichend stimmen,
  • ob sich das Lineal wiederholt in vergleichbarer Weise anformen lässt und
  • ob es die abgenommene Form bis zur Übertragung auf das Aufzeichnungsblatt hält.

Als Referenz eignet sich beispielsweise ein weißlackiertes Skalenbandmaß mit Duplexteilung vom Nullpunkt nach links und rechts (z. B. S 81318WSa / 40–0–40 cm). Erst nach dieser Kontrolle setze ich das Biegelineal zur Dokumentation ein.


Biegelineale: Ausführung und Handhabung #

  • Die Ausführungen unterscheiden sich im Material und darin, wie sie sich an die Rückenform anlegen und diese halten.
  • Für die Querprofile werden Messabstände von 7, 14 und 21 cm zu beiden Seiten der Mittellinie verwendet.
  • Die abgenommene Form ist nicht dauerhaft fixiert. Deshalb übertrage ich sie sorgfältig und auf kurzem Weg auf das Aufzeichnungsblatt.
  • Verschleiß und Materialermüdung können die Wiederholbarkeit beeinträchtigen. Die Hilfsmittel müssen regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf ersetzt werden.

Alternativ kann ein entsprechend eingerichtetes 60-cm-Kurvenlineal verwendet werden. Näheres dazu: Einsatz des Kurvenlineals als Messbügel nach dem Mess-System des BVFR.


Praxisbezug: Eine Rückenaufnahme im Stand zeigt nicht unmittelbar, wie das Pferd seinen Rücken in Bewegung und unter Reiterbelastung nutzt. Das folgende Video zeigt meine Prüfung des Kopfeisens direkt am Pferd als Teil der Vorbereitung einer funktionellen Sattelanpassung.


Wissenschaftliche Einordnung:
Die wissenschaftliche Literatur zeigt klar, dass die Beurteilung eines Sattels nicht auf statischen Messungen im Stand basieren kann.
  • Der Pferderücken verändert sich unter Bewegung und Belastung deutlich, wodurch Standaufnahmen die tatsächliche Situation nur unzureichend abbilden.
  • Bereits geringe Veränderungen an der Sattelpassform führen zu messbaren Auswirkungen auf Bewegungsablauf und Belastung.
  • Unpassende Kopfeisenweiten verändern die Druckverteilung signifikant und können die Beweglichkeit des Pferdes einschränken.
Diese Zusammenhänge sind in mehreren Studien untersucht worden, u. a. hier:

Einfluss der Sattelpassform auf Druckverteilung und Bewegungsmechanik (Studie ansehen)

Eine rein statische Messung oder Mittelwertbildung kann diese dynamischen Zusammenhänge nicht abbilden.

Grenzen des Systems #

  • Die Aufzeichnung zeigt eine Momentaufnahme im Stand zum Zeitpunkt der Messung.
  • Aus einer statischen Rückenaufnahme allein lassen sich weder die Arbeit des Rückens in Bewegung noch die erforderliche Kopfeisenwinkelung unter Belastung bestimmen.
  • Für spätere Vergleiche müssen die Messpositionen, die Ausrichtung des Messgeräts und die Bedingungen der Aufnahme dokumentiert werden. Eine einzelne Kurvenlineal-Abformung enthält diesen Zusammenhang nicht vollständig.
  • Bei der Übertragung auf ein gemitteltes Pferderückenabbild, etwa im TOMAX® HBST, können örtliche Unterschiede zwischen den Körperseiten weniger deutlich erscheinen. Das Ergebnis muss deshalb mit den ursprünglichen Einzelmessungen und dem Befund am Pferd abgeglichen werden.
Vollständiges Vermaß-Protokoll des BVFR + zusätzlichem Bereich GL (Kopfeisenlinie)
Das Vermaß-Protokoll dokumentiert nicht nur einzelne Maße, sondern die Zuordnung sämtlicher Befunde zu reproduzierbaren Längs- und Querpositionen des Pferdes.
Hierdurch können Unterschiede zwischen linker und rechter Körperseite, lokale Auffälligkeiten sowie funktionelle Veränderungen nachvollziehbar festgehalten werden.

Problem der isolierten Datenweitergabe #

Einzelne Längenmaße, Tiefenmaße, Querprofile oder Winkelangaben können ohne ihren Messzusammenhang falsch verstanden werden. Zur fachlichen Einordnung gehören insbesondere:

  • die vollständige Maßtabelle mit Datum und Messverfahren,
  • die genaue Lage und Kennzeichnung der Messpositionen,
  • Fotos des Pferdes mit den eingezeichneten Positionen und einem erkennbaren Maßstab,
  • die Zuordnung zur linken und rechten Körperseite,
  • die Beobachtungen in Bewegung und unter Belastung sowie
  • die Gesamtbeurteilung von Pferd und Sattel.

Ohne diese Angaben können selbst korrekt abgelesene Einzelwerte falsch zugeordnet werden. Bei einem Verlaufsvergleich muss außerdem erkennbar sein, ob erneut an der ursprünglichen Position gemessen wurde oder ob ein Messpunkt aufgrund der aktuellen Rückenform neu festgelegt wurde.

Wird aus mehreren statischen Profilen ein gemitteltes Pferderückenabbild erstellt, können Unterschiede zwischen den ursprünglichen Einzelaufnahmen an Deutlichkeit verlieren. Das gemittelte Ergebnis muss deshalb zusammen mit den Einzelmessungen beurteilt werden.


Vollständiges Vermaß-Protokoll nach BVFR #

Die BVFR-Kurzanleitung (PDF) beschreibt die Festlegung der Messpositionen A bis E. Dabei ist D der tiefste Punkt des Pferderückens und C genau die Mitte zwischen B und D. Ergänzend werden unter anderem die Breite der Dornfortsätze an C und der Bauchumfang an D erfasst.

Für die Dokumentation über längere Zeit erfasse ich außerdem die Längen- und Tiefenmaße der Oberlinie. Meine eigene Ergänzung ist die GL – Kopfeisenlinie, 5 cm hinter dem Schulterblattende. Die BVFR-Messmatrix (PDF) veranschaulicht die Positionen und Maße.

Wer eine exakte Halbierung zwischen B und D als Grundlage einer Messung angibt, muss sie überprüfbar dokumentieren. Dazu gehören die vollständige Maßtabelle und ein möglichst seitliches, skalierbares Foto des Pferdes mit sichtbaren Markierungen von B, C und D sowie einem Maßstab im Bild. Das Foto hilft bei der Zuordnung der Messorte; perspektivische Verzerrungen müssen bei seiner Auswertung berücksichtigt werden.

Grenze beim Verlaufsvergleich: Wenn sich Position D verschiebt #

Verändert sich die Rückenlinie, kann der tiefste Punkt D bei einer späteren Kontrolle an einer anderen Stelle liegen. Weil C nach der BVFR-Vorgabe genau zwischen B und D liegt, würde sich damit auch ein aktuell neu bestimmter Punkt C verschieben. Sein Tiefenmaß wäre nicht unmittelbar mit dem früheren HC-Wert an der ursprünglichen Position vergleichbar.

Für die Verlaufskontrolle unterscheide ich deshalb ausdrücklich zwischen:

  • den ursprünglichen Messorten der Basisvermessung: Dort können Tiefenmaße erneut erfasst und mit früheren Werten am gleichen Ort verglichen werden;
  • den aktuell neu bestimmten anatomischen Messpunkten: Ihre neue Lage wird mit den zugehörigen Maßen zusätzlich dokumentiert.

Ein beibehaltener ursprünglicher C-Messort darf nicht stillschweigend als aktuell nach BVFR-Vorgabe neu berechneter C-Punkt bezeichnet werden. Ebenso beziehen sich zwei HD-Werte auf unterschiedliche Rückenstellen, wenn D zwischen den Messungen verschoben wurde.

Das zeigt Praxisbeispiel / 13126 – Veränderungen von Bewegung, Rückenlinie und Kopfeisenweite. Dort veränderte sich B–D von 16,2 auf 21,2 cm. Der bisherige Messort C bei B–C = 8,8 cm wurde für den Vergleich der Tiefenmaße beibehalten.

Die Zahlen zeigen zugleich eine offene Frage der Basisdokumentation: Bei B–D = 16,2 cm läge die exakte rechnerische Mitte bei B–C = 8,1 cm; dokumentiert sind 8,8 cm. Ohne die damalige vollständige Dokumentation lässt sich nicht klären, weshalb die Werte voneinander abweichen. Aus der Tabelle allein darf daher keine exakt eingehaltene Halbierung abgeleitet werden.


Anmerkungen zur Sattelposition #

Die BVFR-Positionen A und B geben Hinweise auf den Schulter- und Schulteransatzbereich. Dort können beispielsweise Unterschiede zwischen den Körperseiten oder örtliche Auffälligkeiten sichtbar werden. Die schematischen Messpositionen legen jedoch nicht allein fest, wo die tragende Auflage eines konkreten Sattels beginnen darf.

Für die Sattelprüfung ist auch der Bereich zwischen B und C wichtig. Hier können Kopfeisen und Ortgänge auf das Pferd einwirken, insbesondere wenn unter Reiterbelastung Gewicht über den vorderen Sattelbereich aufgenommen wird. Deshalb prüfe ich zusätzlich die Kopfeisenlinie GL direkt am Pferd. Eine statische Oberflächenvermessung ersetzt diese Prüfung nicht.

Ein vereinfachtes Pferderückenabbild zeigt außerdem nicht automatisch den Verlauf der letzten Rippe. Die mögliche Länge von Sattelbaum und Kissen muss am einzelnen Pferd beurteilt werden. Weiterführende Informationen zur Sattelpassform bietet der Saddle Research Trust.


Fazit #

Eine Messreihe ist für spätere Kontrollen nur dann aussagekräftig, wenn Messorte, Längen- und Tiefenmaße, Querprofile und Beobachtungen am Pferd gemeinsam dokumentiert werden. Die Basisvermessung muss als Bezug erhalten bleiben; neu festgelegte Punkte müssen klar davon unterschieden werden.

Biegelineale und Pferderückenabbilder sind ergänzende Hilfsmittel. Die aktuelle Passform erfordert darüber hinaus die Prüfung des gesamten Sattels am Pferd, einschließlich seiner Funktion in Bewegung und unter Belastung.


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