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Können Narben die Fortbewegung des Pferdes stören?

Ja. Narben können – je nach Lage, Tiefe und Ausprägung – die Beweglichkeit des Gewebes dauerhaft beeinflussen.

Während oberflächliche Hautnarben häufig keine funktionellen Auswirkungen haben, können tiefere Verletzungen oder Operationsnarben auch Faszien, Muskulatur, Sehnen oder andere Bindegewebsstrukturen betreffen. Das entstehende Narbengewebe besitzt andere mechanische Eigenschaften als gesundes Gewebe und kann die natürliche Verschieblichkeit der einzelnen Gewebeschichten einschränken. Dadurch können Bewegungsabläufe verändert oder kompensiert werden.

Typische Beispiele sind:

  • Operationsnarben (z. B. nach einer Kastration)
  • ältere Verletzungen
  • schlecht verheilte Schnittverletzungen
  • Sehnen- oder Fesselträgerschäden
  • großflächige Hautverletzungen

Nicht jede Narbe führt zwangsläufig zu Problemen. Liegt sie jedoch in einem Bereich mit hoher Beweglichkeit oder bestehen Verklebungen des Gewebes, können Einschränkungen der Schulter-, Rücken- oder Hinterhandbewegung entstehen. Diese Veränderungen wirken sich unter Umständen auch auf Muskulatur, Gangbild und damit auf die Beurteilung der Sattelpassform aus.

Auch beim Menschen lässt sich beobachten, dass größere Operationsnarben noch lange nach der eigentlichen Wundheilung Spannungsgefühle oder Bewegungseinschränkungen verursachen können. Das verdeutlicht, dass Narben nicht nur ein kosmetisches Thema sind, sondern den gesamten Bewegungsapparat beeinflussen können.

Bedeutung für die Sattelbeurteilung #

Bei einer Sattelkontrolle berücksichtige ich daher immer auch vorhandene Narben und ältere Verletzungen. Sie können erklären, warum ein Pferd bestimmte Bewegungen meidet, Muskulatur asymmetrisch entwickelt oder einen Sattel anders belastet als erwartet.

Eine alleinige Vermessung des Pferdes reicht deshalb nicht aus. Entscheidend ist immer die Gesamtbeurteilung von Anatomie, Bewegungsablauf und Vorgeschichte.


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