Die Sitzgröße eines Sattels ist keine verlässliche Grundlage für die Beurteilung der Passform.
Hinweis zur Sitzgröße von Sätteln:
Für die Sitzgröße eines Sattels existiert keine allgemein verbindliche Norm oder einheitliche Messvorschrift.
Selbst in bestehenden technischen Normen für Sattelbäume werden zwar Bauweise, Winkel und Belastbarkeit definiert, nicht jedoch die Messmethode oder Kennzeichnung der Sitzgröße.
Dadurch entsteht in der Praxis eine uneinheitliche Handhabung, bei der Hersteller unterschiedliche Messpunkte oder Bezeichnungen verwenden. Eine direkte Vergleichbarkeit ist daher nur eingeschränkt möglich. Auch wenn einzelne Hersteller eigene Standards verwenden, handelt es sich dabei nicht um allgemein gültige Normen.
Weiterführende Informationen zu technischen Normen im Sattelbau finden Sie hier:
Normen im Sattelbau (PDF)
Die nachfolgend beschriebene Messweise entspricht einer klassischen, handwerklich überlieferten Methode zur Bestimmung der Sitzgröße.
Sie dient der Orientierung, stellt jedoch keine allgemein verbindliche oder normierte Vorgehensweise dar. Eine einheitliche Festlegung dieser Messmethode findet sich auch in bestehenden Normen nicht.
Gemessen wird mittig von der hinteren Efternkante des Sattels bis zur Mitte des Nagels im Vorderzwiesel.
Das Maß wird üblicherweise in Zoll angegeben.
Zur Orientierung kann ein Bandmaß mit Zollangabe verwendet werden.
Fehlende Normierung von Maßangaben
Die Maßeinheit ist das englische Zollmaß/inch, umgerechnet in Zentimeter mit dem Faktor 2,54.
Sättel, die aus dem Hause Fairfax kommen, werden alle nach dieser alten Tradition gemessen. Hierzu gehören die Sattelmarken Fairfax, Kent & Masters sowie Thorowgood.
Leider kann man nur spekulieren, warum hier einige Hersteller das Rad unbedingt neu erfinden müssen und hiermit Kunden verunsichern, indem sie erschweren, dass Sättel untereinander leicht zu vergleichen sind. Teilweise dies sogar komplett ausblenden und nur auf die auf dem Etikett angegebene Größe verweisen. Daher kann ich nur empfehlen, ein Bandmaß mit Zolleinteilung zum Sattelkauf mit sich zu führen und sich weiterhin an diesen Maß-Positionen zu orientieren. Sicher ist es schmeichelhafter, wenn sie z. B. in einem 17,5er-Sattel gut unterkommen, nur sollte der Sattel sich dann (zumindest über die Auflagelänge) nicht als 18,5er entpuppen, zumal es das Pferd erst einmal hergeben muss.


Die reine Angabe der Sitzgröße stellt dabei immer nur einen Teil der Beurteilung dar.
Wie die passende Sitzgröße im Zusammenhang mit Pferd und Reiter tatsächlich beurteilt wird, zeigt sich erst im Rahmen einer vollständigen Sattelanprobe:
Was bedeutet Sattelanprobe?
Dabei ist zu beachten, dass die Sitzgröße keine Aussage über die Passform im Bereich des Widerrists oder der Schulter zulässt.
Entscheidend ist hier die korrekte Abstimmung des Kopfeisens und der Auflagefläche:
Informationen zum Kopfeisen und zur Passform
In der Praxis zeigen sich Unterschiede häufig erst im direkten Vergleich oder im Einsatz, selbst bei identischer Größenangabe.
Beispiele aus der Praxis und typische Abweichungen finden Sie hier:
Praxisbeispiele und typische Probleme
Warum die Sitzgröße allein nicht ausreicht
Die Angabe der Sitzgröße beschreibt lediglich einen Teil des Sattels.
Für die tatsächliche Eignung spielt jedoch auch die Form des Beckens eine entscheidende Rolle. Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Becken, individuelle Sitzgewohnheiten sowie die Bauweise des Sattels führen dazu, dass Sättel gleicher Größe unterschiedlich wirken können.
Weiterführende Informationen hierzu finden Sie hier:
Sattelsitz – Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Becken und die Aufgabe des Saddlefitters
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Sitzgröße allein erlaubt keine verlässliche Aussage über die Passform eines Sattels. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel von Sattel, Pferd und Reiter.
Eine fachgerechte Beurteilung berücksichtigt daher neben der Sitzgröße auch Kopfeisen, Auflagefläche, Bewegungsablauf und Nutzung.
Weiterführende Informationen:
