Die kleinen Metallringe unter dem kleinen Sattelblatt werden als Vorderzeugfallringe bezeichnet. Wie der Name bereits erkennen lässt, dienen sie in erster Linie zur Befestigung eines Vorderzeugs.
Je nach Ausführung der Sattelunterlage können diese Ringe auch dazu verwendet werden, die Sattelunterlage am Sattel zu fixieren. Auf dem folgenden Foto ist ein solcher Vorderzeugfallring unter dem kleinen Sattelblatt zu sehen.
Wichtiger Sicherheitshinweis:
Vorderzeug-Fallringe sind unabhängig von Hersteller und konstruktiver Ausführung funktionsgebundene Befestigungspunkte. Sie sind in erster Linie für die oberen Riemen eines geeigneten Vorderzeugs vorgesehen. Aus dem Vorhandensein oder der augenscheinlichen Stabilität eines solchen Ringes darf keine Freigabe für andere Verwendungszwecke abgeleitet werden.
Auch eine direkte Befestigung am Sattelbaum macht einen Vorderzeug-Fallring nicht automatisch zu einem universell verwendbaren oder sicherheitsrelevanten Anschlagpunkt. Entscheidend ist, für welche Ausrüstung, Position, Belastungsrichtung und Krafteinleitung das Bauteil konstruktiv vorgesehen und vom jeweiligen Hersteller freigegeben wurde.
Bei den Sätteln von Fairfax, Kent & Masters und Thorowgood sind die Vorderzeug-Fallringe baugleich ausgeführt und am Sattelbaum befestigt. Dennoch weist Fairfax bei der gemeinsamen Verwendung von Vorderzeug und Martingal ausdrücklich darauf hin, ein Martingal mit eigenem, lockerem Halsriemen zu verwenden und dieses nicht an den D-Ringen des Sattels zu befestigen. Diese technische Trennung wird konsequent auch auf die baugleichen Sättel von Kent & Masters und Thorowgood übertragen.
Vorderzeug-Fallringe dürfen daher nicht ohne eine ausdrückliche Freigabe als Befestigungspunkte für Martingale Ausbinder oder andere Hilfszügel, Halteriemen, Griffe oder die Auslöseschnur einer Airbag-Weste verwendet werden. Hierfür sind ausschließlich die für den jeweiligen Zweck vorgesehenen Befestigungs- und Verbindungssysteme zu verwenden.
Warum sollten Vorderzeug-Fallringe nicht zweckentfremdet werden? #
Vorderzeug-Fallringe sind funktionsgebundene Befestigungspunkte für ein geeignetes Vorderzeug. Ob ein vorhandener Ring auch für andere Anwendungen geeignet ist, lässt sich weder aus seinem äußeren Erscheinungsbild noch allein aus seiner konstruktiven Befestigung ableiten.
Anderes Zubehör kann Kräfte in einer abweichenden Richtung, Stärke oder Häufigkeit in den Sattel einleiten. Dies betrifft insbesondere:
- Martingale, Ausbinder und andere Hilfszügel,
- Halteriemen und Griffe,
- zusätzliche Sicherungs- und Verbindungssysteme sowie
- Auslösesysteme von Airbag-Westen.
Auch ein unmittelbar am Sattelbaum befestigter Vorderzeug-Fallring ist für solche Anwendungen nicht automatisch vorgesehen oder freigegeben. Eine stabile konstruktive Befestigung und eine funktional richtige Verwendung sind zwei unterschiedliche Dinge.
Das folgende Foto zeigt beispielhaft die Innenansicht eines Vorderzeug-Fallrings an einem Prestige-Sattel. Es dokumentiert eine mögliche konstruktive Ausführung. Der Aufbau anderer Vorderzeug-Fallringe kann davon abweichen und muss am jeweiligen Sattel gesondert beurteilt werden.
Bei sicherheitsrelevanten Anwendungen genügt es nicht, dass sich ein Riemen oder Karabiner an einem vorhandenen Ring befestigen lässt. Entscheidend ist, ob der jeweilige Sattelhersteller den Befestigungspunkt für die konkrete Ausrüstung, Belastungsrichtung und Verwendung konstruktiv vorgesehen und ausdrücklich freigegeben hat.
Weitere Informationen finden Sie unter:
Werden Bauteile am Sattel immer entsprechend ihrer Konstruktion verwendet?
Wie kann die Airbag-Weste stattdessen befestigt werden? #
Die folgenden Fotos zeigen beispielhaft eine verantwortungsvolle Lösung: Ein für das konkrete Airbag-System vorgesehener Sattelriemen wird beidseitig an den Steigbügelhaltern beziehungsweise Steigbügelaufhängungen des Sattels geführt. Die Auslöseschnur der Airbag-Weste wird anschließend mit dem dafür vorgesehenen mittleren Anschlusspunkt dieses Sattelriemens verbunden.
Klare Trennung der Befestigungspunkte #
Die Detailaufnahme verdeutlicht die konstruktive Trennung: Der für das Airbag-System vorgesehene Sattelriemen wird im Bereich der Steigbügelaufhängung geführt. Der danebenliegende Vorderzeugfallring bleibt von der sicherheitsrelevanten Verbindung vollständig getrennt.
Die Auslöseschnur darf nicht unmittelbar an einem Vorderzeugfallring oder einem anderen beliebigen Beschlag des Sattels befestigt werden. Solche Beschläge können von außen stabil wirken, sind aber nicht automatisch als Anschlagpunkt für die beim Auslösen entstehenden Kräfte konstruiert und freigegeben.
Wichtiger Sicherheitshinweis:
Die Abbildungen zeigen ein Anwendungsbeispiel und stellen keine allgemeine Freigabe für jedes Airbag-System oder jeden Sattel dar. Maßgeblich sind immer die Montage- und Gebrauchsanleitung des jeweiligen Airbag-Herstellers sowie die konstruktiven Voraussetzungen des betreffenden Sattels.
Vor der Nutzung ist insbesondere zu prüfen, dass:
- der Sattelriemen für das verwendete Airbag-System vorgesehen ist,
- die Steigbügelhalter technisch einwandfrei und ausreichend stabil sind,
- Steigbügelriemen und Sturzfedern uneingeschränkt funktionieren,
- der Sattelriemen weder scheuert noch Lederteile oder Beschläge ungünstig belastet,
- die Auslöseschnur entsprechend der Herstelleranleitung eingestellt ist,
- und die Auslöseschnur sich nicht um Teile des Sattels wickeln kann.
Bei Unsicherheit sollte die vollständige Befestigung vor der ersten Nutzung durch den Fachhandel beziehungsweise den Hersteller des Airbag-Systems überprüft werden.
Weitere technische Beispiele finden Sie unter: Typische Fehlnutzungen am Sattel und ihre Folgen .
