Ich verstehe mich nicht als reinen Sattelverkäufer, sondern als Sattler/Sattelfitter, der Sättel individuell anpasst und sich intensiv mit den inneren Werten eines Sattels auseinandersetzt.
Marken wie Wintec, Bates und Arena verfolgen ein anderes Konzept: Beim EASY-CHANGE Fit System können Kopfeisen und Riser-Einlagen entsprechend der vorgesehenen Einstellmöglichkeiten ausgewählt und ausgetauscht werden. Der Hersteller stellt hierzu Zubehör und Anleitungen bereit, empfiehlt zugleich jedoch ausdrücklich eine fortlaufende fachkundige Beurteilung der Sattelpassform.
In der Praxis zeigt sich, dass die Anpassung eines Sattels immer komplex bleibt und regelmäßige Kontrollen am Pferd notwendig sind – unabhängig davon, wie leicht ein System zu verstellen ist. Nur so lässt sich sicherstellen, dass der Sattel dem Pferd langfristig passt und keine gesundheitlichen Probleme verursacht. Mein Schwerpunkt liegt daher auf einer fachkundigen Begleitung, die Pferd, Reiter und Materialien gleichermaßen berücksichtigt.
Wenn ich zu Sätteln der Marken Wintec, Bates oder Arena gerufen werde, kläre ich zunächst, welche Erwartungen an eine Veränderung bestehen. Nicht alle Anpassungen, die bei meinen Hausmarken möglich sind, lassen sich an diesen Sätteln umsetzen. Auch Original-Ersatzteile oder Zubehör führe ich nicht; hierfür sind die jeweiligen Vertriebspartner zuständig.
Zwei ähnlich aufgebaute, aber getrennte Kopfeisensysteme #
Bei Wintec und Bates muss zwischen zwei nach demselben Grundprinzip aufgebauten und optisch sehr ähnlichen Kopfeisensystemen unterschieden werden:
- EASY-CHANGE Gullet System: Narrow (N) bis Extra Wide (XW)
- EASY-CHANGE Gullet System WIDE: 1 Extra Wide (1XW) bis 4 Extra Wide (4XW)
Trotz ihres ähnlichen Aufbaus handelt es sich nicht um eine frei untereinander austauschbare, durchgehende Größenreihe. Die Kopfeisen müssen dem jeweils im Sattel verbauten Sattelbaum beziehungsweise dem dafür vorgesehenen Sattelmodell zugeordnet werden.
Die beiden Kopfeisenreihen werden auch in der deutschen Zubehörübersicht von Arena getrennt geführt: als EASY-CHANGE Kopfeisen Standard und als EASY-CHANGE Kopfeisen WIDE. Angeboten werden jeweils eigene Komplettsets und Einzelkopfeisen. Diese getrennte Produktführung unterstreicht, dass vor einem Austausch zunächst das im konkreten Sattel vorgesehene System festgestellt werden muss.
Herstellerinformationen: Sattelanpassungszubehör bei Arena Saddles sowie Übersicht zum EASY-CHANGE Gullet System.
Vor einem Kopfeisenwechsel muss daher zunächst geklärt werden, welches der beiden Systeme im konkreten Sattel verwendet werden darf. Erst innerhalb der richtigen Kopfeisenreihe kann anschließend die für das Pferd infrage kommende Ausführung geprüft werden. Die Auswahl allein anhand der Farbe, der gewünschten Weite oder der äußeren Ähnlichkeit ist nicht ausreichend.
Weitere Angaben zu den beiden Kopfeisenreihen finden Sie in der Herstellerübersicht zum EASY-CHANGE Gullet System.
Warum für mich auch die Länge der Kopfeisen entscheidend ist #
Für meine Sortimentsentscheidung ist nicht allein maßgeblich, wie viele unterschiedliche Kopfeisenweiten ein System anbietet. Ebenso wichtig ist, wie weit das austauschbare Metallkopfeisen konstruktiv in den vorderen Bereich des Sattelbaums hineinreicht.
Bei meinem direkten Vergleich zeigte sich, dass die Gesamtlänge der Kopfeisen des EASY-CHANGE Gullet Systems – einschließlich der für WIDE-Sättel vorgesehenen Reihe – nicht über die Länge der mir bekannten S-Bar-Kopfeisen hinausgeht. Eine größere Weitenbezeichnung oder ein breiterer Winkel darf daher nicht mit einem längeren Kopfeisen beziehungsweise einer weiter nach unten reichenden metallischen Führung gleichgesetzt werden.
Die zugrunde liegende fotografische Gegenüberstellung der Originalkopfeisen sowie die von mir ermittelten Winkel- und Endpunktmaße finden Sie unter SimaTree-Kopfeisen vs. EASY-CHANGE Gullet System (Wintec/Bates/Arena). Dort wird auch erläutert, weshalb sich die unterschiedlichen Taillierungen und der weitere Aufbau der jeweiligen Sattelbäume nicht allein anhand einer Weitenbezeichnung miteinander vergleichen lassen.
Diese Feststellung bezieht sich ausdrücklich nur auf die Gesamtlänge des austauschbaren Metallkopfeisens. Aus dessen Länge allein lassen sich weder die vollständige Ortganglänge noch die gesamte Passform des Sattels ableiten. Hierfür müssen zusätzlich der weitere Aufbau des Sattelbaums, die Baumspitzen, die Sattelkissen und die tatsächliche Funktion unter Belastung berücksichtigt werden.
Für meine Arbeitsweise ist dieser Punkt dennoch entscheidend: Ein zusätzliches Kopfeisensystem bietet mir keinen konstruktiven Vorteil, wenn seine metallische Führung nicht weiter reicht als bei dem bereits bekannten S-Bar-System. Weder der Wechsel zu einem breiteren Kopfeisen noch der Einsatz von Riser-Einlagen verändert die konstruktive Länge des Kopfeisens.
Die vergleichbare Kopfeisenlänge ist für sich genommen kein Produktmangel. In Verbindung mit den für mich begrenzten Möglichkeiten, ein CAIR-Luftkissen zu prüfen, zu bearbeiten und bei Veränderungen gezielt wiederherzustellen, ist sie jedoch ein wesentlicher Grund dafür, dieses Sattelkonzept nicht in mein eigenes Lieferprogramm aufzunehmen.
Werkstattbefund an einem originalen CAIR-Luftkissen #
Die folgende ältere Werkstattaufnahme vom 13.07.2012 zeigt ein aus einem Wintec-Sattel ausgebautes originales CAIR-Luftkissen. Der Kissenaufbau besteht aus einem vorderen und einem hinteren Luftkissenelement. Beide Elemente sind auf einer filzähnlichen Träger- beziehungsweise Grundplatte angeordnet, die im eingebauten Zustand zum Sattel hin ausgerichtet ist.
Das abgebildete Kissen wurde nach dem Ausbau ungeöffnet und ohne eine von mir vorgenommene Veränderung fotografiert. Es zeigt damit eine originale Ausführung des zweiteiligen CAIR-Kissens und keine nachträglich aus unterschiedlichen Kissenelementen zusammengesetzte Darstellung.
Bei diesem konkreten Originalkissen stellte ich beim Ausbau fest, dass die ursprünglich vorhandene Luftfüllung nicht mehr vollständig erhalten war. Das Foto dokumentiert die äußere Ausführung des Bauteils; die verringerte Luftfüllung ist der dazugehörige Werkstattbefund und lässt sich nicht allein aus der Aufnahme ableiten.
Diese Beobachtung bezieht sich ausdrücklich auf das damals untersuchte Kissen. Aus einem einzelnen Werkstattbefund lässt sich nicht ableiten, dass jedes CAIR-Luftkissen oder jede heutige Ausführung zwangsläufig in gleicher Weise betroffen sein muss.
Der Befund zeigt jedoch, warum bei einem älteren oder gebraucht erworbenen Sattel auch der tatsächliche Zustand der eingebauten Luftkissenelemente berücksichtigt werden sollte. Ist das ursprünglich vorgesehene Luftvolumen nicht mehr vollständig vorhanden, können sich Form und Stützwirkung des betreffenden Kissens verändern.
Ob und in welchem Umfang sich dies auf Auflage, Balance oder Druckverteilung auswirkt, lässt sich weder aus der Bauart noch aus einem Foto allein bestimmen. Dafür muss immer der konkrete Sattel unter realer Belastung und in der Bewegung beurteilt werden.
Warum ein Riser verlorene Luftfüllung nicht wiederherstellt #
Das EASY-CHANGE Riser System arbeitet mit vorderen, mittleren und hinteren, plattenförmigen Kunststoffeinlagen in unterschiedlichen Stärken. Nach der Herstellerdarstellung dienen diese dazu, innerhalb des Sattelkissens die Gesamttiefe zu verändern und dadurch Freiraum und Balance zu beeinflussen.
Für Sättel mit CAIR Cushion System beschreibt der Hersteller die Wirkung dahingehend, dass Riser die Gesamttiefe im vorderen oder hinteren Bereich erhöhen. Mittlere Riser werden bei CAIR-Sätteln nur für bestimmte Situationen, insbesondere bei einem Senkrücken, empfohlen.
Von dieser vorgesehenen Veränderung der Kissentiefe ist ein Druck- oder Volumenverlust innerhalb eines CAIR-Luftkissens zu unterscheiden. Eine Riser-Einlage kann die betreffende Partie geometrisch anheben. Sie führt dem Luftkissen jedoch keine Luft zu und stellt weder dessen ursprüngliches Volumen noch seine ursprüngliche dynamische Funktion wieder her.
Soll ein festgestellter Verlust der Luftfüllung lediglich durch zusätzliche Riser-Einlagen ausgeglichen werden, wird daher nur eine mögliche Folge – die verringerte Höhe – beeinflusst. Der Zustand des eigentlichen Luftkissenelements bleibt unverändert.
Aus meiner fachlichen Sicht ist ein solcher Ausgleich kritisch zu beurteilen. Eine zusätzliche Kunststoffeinlage und ein intaktes luftgefülltes Kissenelement erfüllen konstruktiv unterschiedliche Aufgaben. Eine vergleichbare statische Höhe bedeutet deshalb nicht automatisch, dass auch Elastizität, Stützwirkung und Verhalten unter dem Gewicht des Reiters wieder dem vorgesehenen Zustand entsprechen.
Wird bei einem älteren CAIR-Sattel ein Verlust der Luftfüllung festgestellt oder vermutet, sollte deshalb zunächst der Zustand des vorderen und hinteren Luftkissenelements geklärt werden. Eine Einstellung mit Risern ist nicht mit der technischen Überprüfung, Instandsetzung oder dem Austausch eines nicht mehr ordnungsgemäß gefüllten Kissenelements gleichzusetzen.
Systeme mit verstellbaren Kopfeisen vermitteln häufig den Eindruck, dass sich die Passform eines Sattels einfach „einstellen“ lässt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Kopfeisenweite nur einen einzelnen Parameter darstellt.
Die tatsächliche Passform ergibt sich immer aus dem Zusammenspiel von Sattelbaum, Auflagefläche, Balance und der Bewegung des Pferdes.
Praxisbezug:Die Beurteilung eines Sattels erfolgt nicht anhand einer Momentaufnahme im Stand, sondern unter Bewegung und realer Belastung. Wie dies in der Praxis umgesetzt wird, zeigt das folgende Video.
Einordnung ergänzender Messverfahren:
Auch moderne Verfahren wie die Thermographie zeigen lediglich Auffälligkeiten in der Temperaturverteilung und können Hinweise auf Belastung oder Asymmetrien geben.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese Muster durch viele Faktoren beeinflusst werden – unter anderem Bewegung, Trainingszustand, Reiterbalance und Belastung – und nicht eindeutig einer konkreten Ursache zugeordnet werden können.
→ Einordnung der Thermographie in der Sattelbeurteilung
Eine direkte Ableitung von Druckverhältnissen oder Passform allein aus thermischen Bildern ist daher nicht möglich.
Selbstverständlich können Sie mir im Rahmen eines Fremdsattelchecks auch diese Sättel vorstellen. Ich prüfe dann, inwieweit eine sinnvolle und vertretbare Unterstützung möglich ist. Weitere Informationen dazu finden Sie in meinem Infoblatt Fremdsattelcheck.
Damit bleibt klar: Diese Sättel basieren auf einem anderen Konzept als das, was ich in meiner täglichen Arbeit am Pferd nutze. Mein Ansatz ist die individuelle Anpassung vor Ort – mit Jacobschaf-Wolle als Standardfüllung.

Da sich Aufbau, Zugänglichkeit und Reparaturmöglichkeiten je nach Sattelmodell und Ausführung unterscheiden können, muss im konkreten Einzelfall geklärt werden, ob ein betroffenes Luftkissenelement separat überprüft oder ausgetauscht werden kann. Diese technische Klärung und die Beschaffung von Originalteilen müssen über den Hersteller beziehungsweise einen zuständigen Vertriebspartner erfolgen.
Hinweis zur Einordnung #
Die vorstehenden Ausführungen beschreiben meine persönliche fachliche Einordnung auf Grundlage meiner praktischen Erfahrung und Arbeitsweise.
Sie stellen keine allgemeingültige Bewertung einzelner Hersteller oder Produkte dar.
Entscheidend ist immer die konkrete Situation im Einzelfall sowie die fachgerechte Beurteilung des Zusammenspiels von Pferd, Sattel und Reiter.
Weiterführende Informationen:
Grundlagen zur Beurteilung:
- Was macht für Sie ein guter Sattel aus?
- Was verstehen Sie unter tailliertem Kopfeisen bzw. Sattelbaum?
Technische Zusammenhänge:
Einordnung & typische Missverständnisse:
Was bedeutet das für Sie konkret?
Gerade bei Systemen mit austauschbaren Kopfeisen wie bei Wintec wird häufig davon ausgegangen, dass sich die Passform einfach „einstellen“ lässt.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Kopfeisenweite nur ein Teil der Gesamtpassform ist. Auflagefläche, Winkel, Balance und die Bewegung des Pferdes spielen eine ebenso entscheidende Rolle.
Ein verstellbares System ersetzt daher keine fachgerechte Beurteilung, sondern erfordert eine umso genauere Abstimmung im Einzelfall.
Der nächste sinnvolle Schritt:
→ Wie eine fachgerechte Sattelprüfung tatsächlich erfolgt
→ Warum reine Messwerte oder Einstellungen nicht ausreichen
→ Termin zur Überprüfung direkt anfragen
Fazit:
Die Entscheidung, bestimmte Sattelsysteme nicht zu führen, basiert daher nicht auf einzelnen Eigenschaften oder Markenbewertungen, sondern auf der praktischen Erfahrung, dass eine nachhaltige und funktionale Anpassung häufig andere konstruktive Lösungen erfordert.
