Vorgang 12972/23.03.2024: vorgefunden an einem Oldenburger mit ausgeprägtem hohem Widerrist, genauer gesagt einer Rumpfabsenkung.
Der Sattel ist leicht über 4 außen liegende Schrauben zu öffnen und vom Kopfeisen zu trennen. Siehe hierzu: DuPont® Flex Sattelbaum / Seabis / Hrímnir
Das Sattelblatt ist über Klettband am Kissen befestigt und leicht zu trennen. Das Kopfeisensystem (Einstanzung: PSD) entspricht nach meiner ersten Einschätzung dem XChange®System. Auch die vorgefundene Farbe des Kopfeisens entspricht der Farbgebung des XChange®Systems. Hier in silbern/grau in einer Winkelung von ca. 90°, was einem roten S-Bar-Kopfeisen von SimaTree in Winkelung und Schenkellänge (14 cm) entspricht.
Die Ortgänge des Sattelbaums sind instabil (nicht tragend) und können durch das kurze Kopfeisensystem nicht den aktiven Schulterbereich eines Pferdes mit ausgeprägtem, hohem Widerrist sichern und entlasten. Daher kann, nach meinem Verständnis, auch nicht das Maß, das in der einschlägigen Werbung genannt wird, an den Ortgang-Points (zwischen den Enden) als sicheres Auflagermaß genommen werden und ist daher irreführend.
Der Sattelbaum entspricht von seinem Verhalten in der Längsachse der zugehörigen unmissverständlichen Werbung und kann daher, nach meinem Verständnis, nicht über eine gewisse Stabilität/Starrheit und gleichmäßige Gewichtsverteilung den Pferderücken vor punktueller Belastung durch den Reiter schützen. Was übertrieben gesagt, zusammengerollt werden kann, schlägt auch in die andere Richtung durch, mit Erschütterungen bis in den Lendenbereich.
Nach meiner Einschätzung, ein Sattelsystem, das eigentlich in die Schublade Reitpads und baumlose mit Fork/Kopfeisen, gehört. Aufgrund fehlender unterstützender Statik in wesentlichen Bereichen, von meiner Seite, ist generell hiermit nur eine kurzzeitige Nutzung an Pferden anzuraten.
Typisch vorgefundener Zusammenhang:
- Keine Einweisung oder Anpassung der normalen Veränderungen am Pferd durch vorhandene verschiedene Kopfeisen, die wirklich sehr einfach ausgetauscht werden können.
- Massive Deformationen und Verschiebungen des Polsters durch einen ungeeigneten Sattelhalter.
- Wulstartiges, ausgeprägtes Polster im Frontbereich, das zusammen mit dem zu kurzen Kopfeisensystem, das Pferd im aktiven Schulterbereich blockiert und langsam in eine Rumpfabsenkung treibt.
- Gekrönt mit dem Einsatz von Pads, die aber bekanntermaßen nicht die notwendige Statik im Sitz/Sattel verändern können. Dies zusammengenommen ergibt eine Dauerbaustelle für jeden TA und Therapeuten.
Die immer noch und oft in diesem Zusammenhang angezeigte Werbung mit Thermografie, ist nach heutigen Erkenntnissen irreführend, da Druck nichts mit Wärme zu tun hat.
Hinweis zur Einordnung
Die vorstehenden Ausführungen beschreiben technische Auffälligkeiten aus einzelnen, real dokumentierten Arbeitsfällen im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als Sattler.
Sie stellen keine pauschale Bewertung einer Marke oder eines Modells dar und ersetzen keine individuelle Beurteilung eines konkreten Sattels am jeweiligen Pferd.
Konstruktionen, Baujahre, Nutzungszustand sowie Änderungen durch Vorbesitzer können zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Eine fachliche Beurteilung ist daher ausschließlich im Einzelfall möglich.
Weiterführende Informationen #
→ Was macht für Sie ein guter Sattel aus?Was bedeutet das für Sie konkret?
Auffälligkeiten an einem Dressursattel lassen sich nicht pauschal aus Marke oder Modell ableiten. Entscheidend ist immer, wie sich Schwerpunkt, Sitzgefühl, Beinlage und Passform im Zusammenspiel von Pferd, Reiter und Sattel tatsächlich darstellen.
Gerade bei Dressursätteln können bereits kleine konstruktive Unterschiede die Wahrnehmung im Sitz und die Einwirkung des Reiters deutlich verändern.
Eine fachlich belastbare Beurteilung ist daher nur im konkreten Einzelfall möglich.
Der nächste sinnvolle Schritt:
→ Warum sich derselbe Sattel für verschiedene Reiter völlig unterschiedlich anfühlen kann
