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Von außen die derzeitige Kammerweite im Sattel zu erkennen

Kammerweite von außen erkennen?

Immer wieder hört man Aussagen wie: „Ich sehe von außen, ob die Kammerweite passt.“
Tatsächlich hält diese „Kunst“ einer gründlichen Prüfung meist nicht stand. Oft liegen die Abweichungen bei über 5 Grad – das ist erheblich.

Fehlt dann auch noch ein Rücken am Kissen in den Ortgangtaschen, ist die Statik des Kopfeisens ungesichert. Die tatsächliche Einstellung ist von außen nicht erkennbar. Siehe hierzu: Problematik bei einem Sattel der Marke Capreole.

Wie schnell eine falsche Annahme vorliegt, zeigt der Vorgang 11122/06.02.2026, an einem Schumacher Connect II-Spring-Sattel:

Nach dem Abnehmen des Sattelkissens wurde an den Ortgängen ein Pointmaß von 29 cm festgestellt. Bei diesem Sattelbaum und an den festgelegten Messpunkten entspricht dies einer Winkelung von 82,8°.

Zur zusätzlichen Einordnung habe ich ein S-Bar-Kopfeisen als Vergleich an den Sattel gehalten. Die Ortgänge des Sattelbaums reichen ungefähr eine Daumenbreite über die Länge des S-Bar-Kopfeisens hinaus. In meinen Aufzeichnungen lässt sich die Ortganglänge daher vereinfacht als „S-Bar plus eine Daumenbreite“ festhalten.

Diese Ergänzung ist wichtig, weil die Kammerweite bei vielen Herstellern über den Abstand der Ortgänge an deren Fußpunkten bestimmt wird. Bei gleicher Winkelung entsteht durch längere Ortgänge zwangsläufig ein größeres Point- beziehungsweise Fußpunktmaß. Kürzere Ortgänge ergeben entsprechend ein kleineres Maß.

Ein Pointmaß von 29 cm lässt sich deshalb nicht unabhängig von Ortganglänge, Form und Messpunkt einer bestimmten Kammerweite oder einem bestimmten Kopfeisenwinkel zuordnen. Das vorgehaltene S-Bar-Kopfeisen dient hier lediglich als nachvollziehbare Vergleichsreferenz für Winkelung und Länge.

Wichtiger Hinweis zur Einordnung:
Die festgestellte Zuordnung von Pointmaß und Winkel gilt ausschließlich für die untersuchte Konstruktion und die dabei verwendeten Messpunkte. Je nach Länge und Form der Ortgänge können bei gleicher Winkelung deutlich unterschiedliche Point- oder Fußpunktmaße entstehen.

Wie grob die üblichen Kammerweitenbezeichnungen und Fußpunktzuordnungen ausfallen können, zeigt die Übersicht der S-Bar-Kopfeisen im FAQ „Das Problem mit Kammerweiten“ .

Warum sich Point- und Fußpunktmaße verschiedener Sattelbäume nicht unmittelbar vergleichen lassen, erläutere ich außerdem unter: „Warum lassen sich Point- oder Fußpunktmaße verschiedener Sattelbäume nicht einfach miteinander vergleichen?“

Wichtiger Hinweis zur Einordnung des Pointmaßes:

Die hier festgestellte Zuordnung von Pointmaß und Winkel gilt ausschließlich für die untersuchte Konstruktion sowie die dabei verwendeten Messpunkte. Ein Pointmaß lässt sich nicht unabhängig vom Sattelbaum einem bestimmten Kopfeisenwinkel zuordnen.

Je nach Länge und Form der Ortgänge, Schenkellänge des Kopfeisens sowie Lage der Messpunkte können bei demselben Winkel deutlich unterschiedliche Point- oder Fußpunktmaße entstehen. Umgekehrt können ähnliche Pointmaße zu verschiedenen Kopfeisenwinkeln gehören.

Warum sich solche Maße verschiedener Sattelbäume nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen lassen, erläutere ich ausführlich im FAQ „Warum lassen sich Point- oder Fußpunktmaße verschiedener Sattelbäume nicht einfach miteinander vergleichen?“.

Da das Pferd einen hohen Widerrist hat, somit lange Ortgänge (z. B. R-Bar) und aktuell eine 75,6°-Winkelung für eine freie Bewegung benötigt, ist dieser Sattel u. a. für das Pferd zu weit und in der Ortganglänge zu kurz, um das aktive Schulterblatt zu überbrücken. In diesem Zusammenhang verweise ich auf die Links https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/warum-sollte-beim-sattelkauf-auch-unter-die-haube-geschaut-werden/ sowie: https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/was-ist-bei-einem-sattel-mit-hs-kopfeisen-zu-beachten/.

Warum auch die gerade Schenkellänge berücksichtigt werden muss #

Neben der Winkelung und dem Abstand der Fußpunkte ist auch festzuhalten, wie lang der gerade Abschnitt der Kopfeisenschenkel beziehungsweise Ortgänge tatsächlich ausgeführt ist.

Geöffneter Prestige-Sattel mit Messung des geraden Kopfeisenschenkels
Geöffneter Prestige-Sattel: Der gerade Schenkelbereich, gemessen ab dem Übergang von der Rundung in den geraden Verlauf bis zum Fußpunkt, beträgt bei diesem Kopfeisen etwa 5 cm.

Dieses Maß beeinflusst unmittelbar den Abstand der Fußpunkte. Bei gleicher Winkelung liegen die Fußpunkte eines längeren Kopfeisenschenkels weiter auseinander als bei einem kürzeren Schenkel. Dadurch kann trotz vergleichbarer Winkelung eine andere Kammer- beziehungsweise Pointweite entstehen.

Da die Kammerweite bei vielen Herstellern am Fußpunkt der Ortgänge bestimmt wird, lässt sich ein solches Maß nicht ohne Kenntnis der Schenkellänge einordnen. Genau deshalb ergänze ich den Vergleich mit einem S-Bar-Kopfeisen gegebenenfalls um die Angabe „plus eine Daumenbreite“: Damit wird festgehalten, dass die vorhandenen Ortgänge über die Länge der verwendeten S-Bar-Referenz hinausreichen.

Von außen ist weder der genaue Übergang aus der Rundung in den geraden Schenkel noch der tatsächlich im Sattelbaum liegende Fußpunkt zuverlässig erkennbar. Erst nach dem Abnehmen des Sattelkissens kann dieser konstruktive Zusammenhang kontrolliert und dokumentiert werden.

Eine verlässliche Beurteilung ist nur mit einer Schablone oder direkt am Pferd mit dem Kopfeisen möglich. Und zwar auf beiden Seiten:

  • Was benötigt das Pferd aktuell?
  • Was ist im Sattel aktuell eingestellt?

Auch bei neuen Sätteln kann die Kammerweite schon verstellt worden sein – gerade bei fest vernieteten Kopfeisen ist das schwer zu erkennen. Die Ortgangenden liegen verdeckt in den Taschen, oft mit Toleranzen von 2 cm oder mehr. Die Tragfähigkeit und Stabilität der Ortgänge sind so ebenfalls nicht überprüfbar. Der typische „Wäscheklammereffekt“ bei instabiler Ortgangführung bleibt dabei oft unentdeckt.

Sind die Kissen geschraubt, ist eine Kontrolle leichter. Für eine genaue Prüfung muss das Kissen aber in jedem Fall abgenommen werden.

Fest vernähte Sattelkissen erschweren diesen Zugang und damit auch die Kontrolle, Verstellung und spätere Betreuung des Sattels. Warum ich solche Konstruktionen kritisch sehe, erläutere ich hier: Warum ich unnötig vernähte Sattelkissen kritisch sehe .

Nur selten liegt ein lückenloses Servicehandbuch zum Sattel vor. Erst ohne Kissen zeigt sich, ob schon Veränderungen vorgenommen wurden – und ob der Sattelbaum dabei an seine Grenzen gekommen ist.

Soll ein Sattel geweitet werden, muss das Kissen entfernt werden. Andernfalls wirkt das (möglicherweise ungleichmäßige) Kissen selbst als Widerlager, was zu Asymmetrien führen kann.

Nach dem Weiten (etwa mit 3,5 t Druck) sollten außerdem die Vernietungen kontrolliert werden.

Hier lange Ortgänge aus Kunststoff und ein Kopfeisen, das nur auf Höhe der Steigbügelhalterung mit dem Sattelbaum vernietet ist. Die Spitzen des Kopfeisens sind jedoch nicht mit dem Sattelbaum verbunden und können sich je nach Erwärmung und Belastung des Kunststoff-Sattelbaumes weit voneinander trennen. Somit von außen unsichtbar, eine andere Richtung zum Pferdekörper haben. In diesem Fall (10824/21.05.2023) mit den Eisenenden das Schulterblatt blockieren. Hierdurch konnte der betroffene Bereich nicht aufgebaut werden. Es konnten eine Atrophie (Kuhlen im Schulterbereich) sowie eine Rumpfabsenkung am Pferd festgestellt werden. Die wichtige tragende und überbrückende Funktion der Ortgänge mit dem Kopfeisen ist mit diesem Konstrukt nicht gegeben. Durch die weit hinten liegende erste Strupfen wurde der Sattel dann nach vorn auf das Schulterblatt gezogen. Hier haben dann die Eisenenden auf die hochempfindliche Knorpelplatte der Schulter gedrückt.


Hier Vorgang 13347/15.05.2025: ein Equiveron Inferno PP bei dem wir zunächst am Stall noch mit vorgehaltenen schwarzen Kopfeisen von einer aktuellen Winkelung von 78 Grad ausgegangen sind. Nachdem ich in der Werkstatt das vernähte Kissen gelöst hatte, stellte sich heraus, dass die Ortspitzen, vom Vertrieb noch stärker verpresst, bei 71,7 Grad/Pointmaß 29,0 stehen. Da die Ortspitzen bis über die Hälfte in den Ortgangtaschen stecken und sich zudem im Kissen vergraben, ist dies von außen schlecht auszumachen. Am Pferd wurde aktuell eine benötigte Winkelung von 89,6 Grad mit einem am Pferd aufgelegten Kopfeisen festgestellt.
Die im unteren Drittel festgestellte konkave Linienführung in den Ortschenkeln, zeigt das Resultat einer mangelhaften, zu weit unten angesetzten Engerstellung des Sattels. Es stellt sich auch die Frage, ob dieser Sattelbaum mit diesen massiven Vernietungen überhaupt hätte verändert werden dürfen. Das Kissen ist in der Polsterung im gegenüberliegenden Bereich der Spitzen sehr dünn, nicht tragend, und darüber wölbt sich ein massiver Wulst auf, der das aktive Schulterblatt in der Bewegung hindert.
Leider bekommt man, trotz freundlichen Anschreibens zur Veränderbarkeit des Sattelbaums, keine Antwort von Equiveron.

Schaut man sich die Verstellung und die Resultate hieraus genauer an, hat man jedenfalls anschließend nicht mehr den Eindruck, von einer Veränderbarkeit des Sattels ausgehen zu können, ohne weiteren Bruch am Sattelbaum leichtfertig zu riskieren. Dies müsste beim Verstellen auch ganz schön geknirscht und eigentlich zu denken gegeben haben.

Mit einem derart vernieteten Kopfeisen in einem Kunststoff-Sattelbaum befinden wir uns rund 20–25 Jahre hinter der aktuellen Entwicklung.
Schon damals galt für derlei: Nicht den Sattel über eine Presse verändern!

Beim grünen Kopfeisen ist der Sattel in seinem aktuelle Stand. Beim roten Kopfeisen ist das Soll um dem Pferd aktuell gerecht zu werden.
Ich denke, es wäre leichtfertig, den Sattelbaum nun derart (18°) über eine Verstellung in die andere Richtung verändern zu wollen, ohne Bruch beziehungsweise Totalschaden zu riskieren.

  • Warum lassen sich Point- oder Fußpunktmaße verschiedener Sattelbäume nicht einfach miteinander vergleichen?
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