Die korrekte Vermessung des Pferdes ist die Grundlage jeder professionellen Sattelanpassung. Der BVFR (Bundesverband der Fahrzeug- und Reitsportsattler e. V.) stellt hierzu eine Anleitung und ein offizielles Sattelmaßblatt bereit, an denen sich auch Gutachter orientieren.
Wichtiger Hinweis: Veränderungen am Pferd #
Bitte beachten Sie: Ein Pferd kann sich sehr schnell verändern – sei es durch Training, Pause, Krankheit, Muskelaufbau oder -abbau. Dadurch kann ein zuvor passender Sattel plötzlich nicht mehr korrekt liegen. Regelmäßige Überprüfung und Anpassung sind deshalb unverzichtbar.
Kurzanleitung & Maßblatt #
Als Basisdokumentation – ein „Momentbild“ an einem bestimmten Tag – ist dieses Vorgehen sehr sinnvoll.
Beispiel einer systematischen Vermessung am Pferd:
Hinweis:
Solche Messpositionen helfen dabei, die Sattellage strukturiert und nachvollziehbar zu dokumentieren. Sie ersetzen jedoch nicht die fachliche Gesamtbeurteilung. Entscheidend bleibt immer, wie sich Konstruktion, Auflage, Bewegung und Belastung im konkreten Einzelfall darstellen.
Ergänzende Punkte in der Praxis #
In den offiziellen Unterlagen fehlen wichtige Aspekte, die ich in meiner Arbeit stets berücksichtige:
- Kontrolle der Kopfeisenlinie (GL) als Ausgangspunkt jeder Vermessung.
- Beurteilung in der Bewegung, speziell im Bereich des aktiven Schulterblatts.
Nur so lässt sich sicherstellen, dass das Schulterblatt in der Bewegung nicht blockiert wird – ein häufiger Fehler bei rein statischen Messungen.
Diese Beurteilung kann erfolgen durch:
- Simulation der Bewegung,
- Gegenkontrolle mit Kontrollpad, sowie Abschlusskontrolle im Stand (Druck vorn oben auf den Sattel/Schwerpunktlage)
- Erfahrung anhand ermittelter Daten (jedoch unsicher, wegen eventueller Verspannungen),
- oder: Kontrolle im Vorreiten.
Hinweis: Bei der Beurteilung im Vorreiten darf nicht davon ausgegangen werden, dass ein unauffälliges Pferd auch beschwerdefrei ist. Pferde zeigen Schmerzen und Unbehagen häufig nicht klar sichtbar. Dieses Verhalten ist ein Schutzmechanismus – kein Zeichen dafür, dass alles in Ordnung ist.
Gerade darin liegt die Gefahr: Belastungen können vorhanden sein, ohne dass sie unmittelbar erkennbar sind. Wer sich allein auf das äußere Erscheinungsbild verlässt, übersieht unter Umständen bereits bestehende Probleme.
Deshalb ist eine strukturierte und konsequente Prüfung notwendig, die über den ersten Eindruck hinausgeht.
Zum Vergleich: Auch beim Menschen werden Folgen von Überlastung oft erst zeitverzögert sichtbar – beispielsweise am nächsten Tag nach ungewohnter oder intensiver Beanspruchung.
Wie wird die Auflagelänge am Pferd ermittelt? #
Ein Problem der klassischen Vermessung ist die rein statische Betrachtung im Stand.
Die Auflagelänge ergibt sich zwischen dem tastbaren Ende des Schulterblatts und dem Ende des letzten Rippenbogens. Hier gilt es, stets das Zusammenspiel von Muskelbewegung, Schulterfreiheit und Sattelauflage zu berücksichtigen.
Weiterführende Hinweise und Werkzeuge #
- Tipps und Kniffe rund um die Kopfeisenkontrolle
- Markierungen am Pferd – welche Mittel sind geeignet?
- Arbeiten an der Kopfeisenlinie
- Einsatz des Kurvenlineals als Messbügel nach dem BVFR-System
- Wofür ist das Schablonenblatt von SimaTree gedacht?
- Warum wird überhaupt vermessen?
Video: Hinweise von SimaTree zur Ermittlung des richtigen Kopfeisens:
Mit dieser systematischen Vorgehensweise erhalten Sie umfassende Basisdaten zu Pferd, Reiter und Sattel – und schaffen die Grundlage für eine fachgerechte, nachhaltige Sattelanpassung.
