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Wie werden Sattlerpads und Shims richtig eingesetzt?

Kurz eingeordnet:
Sattlerpads sind in der Regel vorübergehend eingesetzte Korrekturhilfen unter einem konventionellen Sattel. Sie können eine fachlich festgelegte Anpassung unterstützen, ersetzen jedoch weder die Ursachenprüfung noch eine notwendige Korrektur des Sattels.

Was ist mit einem Sattlerpad gemeint? #

Ein Sattlerpad ist nicht mit einem Reitpad zu verwechseln. Es wird unter einem konventionellen Sattel verwendet und besitzt – je nach Ausführung – getrennte Taschen für herausnehmbare Einlagen. Diese Einlagen werden häufig auch als Shims bezeichnet.

Sattlerpad mit getrennten Einschubtaschen für vordere, mittlere und hintere Einlagen
Beispiel eines Sattlerpads: Das abgebildete Pad besitzt auf jeder Seite getrennte Taschen für vordere, mittlere und hintere Einlagen. Dadurch können einzelne Bereiche gezielt und bei entsprechendem Befund auch seitlich unterschiedlich bestückt werden.
Vorderer Bereich
Einlagen heben den vorderen Sattelbereich an. Dadurch verändern sich der Abstand zum Pferd sowie die Balance und Sitzposition des Sattels.
Mittlerer Bereich
Einlagen beeinflussen die mittlere Auflagezone und können dort vorübergehend fehlende Auflage ausgleichen. Eine ungeeignete Bestückung kann jedoch neue Druckbereiche erzeugen.
Hinterer Bereich
Einlagen heben den hinteren Sattelbereich an und verändern dadurch ebenfalls die Balance und die Position des Reiters.

Wichtig:
Die vorhandenen Taschen werden nicht grundsätzlich alle mit Einlagen bestückt. Entscheidend ist, an welcher Stelle, auf welcher Seite und in welcher Stärke eine Korrektur tatsächlich benötigt wird. Eine ungeeignete Bestückung kann den Sattel verkanten, seine Balance verändern oder neue Druckbereiche erzeugen.

Beispiel: Front- und Rear-Shims zur Veränderung der Sattelbalance #

Der Hersteller Prolite zeigt die grundsätzliche mechanische Wirkung der Einlagen anhand zweier vereinfachter Beispiele:

Front-Shim
Liegt der Sattel vorne zu tief, kann eine vordere Einlage den vorderen Bereich anheben und dadurch die Balance des Sattels verändern.
Rear-Shim
Liegt der Sattel hinten zu tief, kann eine hintere Einlage den hinteren Bereich anheben und den Sattel entsprechend ausbalancieren.

Diese Darstellung erklärt, was eine vordere oder hintere Einlage mechanisch bewirkt. Sie beantwortet jedoch noch nicht, weshalb der Sattel vorne oder hinten zu tief liegt und ob ein Shim im konkreten Fall tatsächlich die richtige Maßnahme ist.

Mögliche Ursachen können unter anderem in der Kopfeisenweite, der Form des Sattelbaums, der Kissenauflage, der körperlichen Entwicklung des Pferdes oder einer insgesamt ungeeigneten Sattelbalance liegen. Auch eine optisch waagerechte Sitzfläche im Stand ist noch kein ausreichender Nachweis für eine funktionierende Passform.

Anschauliche Herstellerdarstellung:
Prolite zeigt die Wirkung einer vorderen beziehungsweise hinteren Einlage in einer vereinfachten Bild- und Videodarstellung.

→ Prolite-Anwendungsbeispiel für Front- und Rear-Shims ansehen

Bitte beachten Sie: Die Darstellung veranschaulicht die mechanische Wirkung der Einlagen. Sie ersetzt weder die Ursachenprüfung noch die Beurteilung des Sattels unter Reiterbelastung und in Bewegung.

Grundsätzliche Einordnung und Einsatz #

Sattlerpads stellen keine eigenständige Lösung für Passformprobleme dar. Sie sind ein ergänzendes Hilfsmittel innerhalb des Gesamtsystems aus Pferd, Sattel und Reiter.

Ein zeitlich begrenzter Einsatz kann beispielsweise sinnvoll sein bei:

  • vorübergehend reduzierter Muskulatur,
  • einem Pferd im körperlichen Aufbau oder in einer Veränderungsphase,
  • zeitweise veränderten Auflageverhältnissen,
  • einer fachlich festgestellten und begrenzt ausgleichbaren Asymmetrie,
  • einer vorübergehenden Korrektur der Sattelbalance.

Die Bestückung muss zur tatsächlichen Situation passen und regelmäßig überprüft werden. Verändert sich das Pferd, kann eine zuvor sinnvolle Einlage später bereits ungeeignet sein.

Eine dauerhafte Kompensation grundlegender Passformprobleme durch zusätzliche Einlagen ersetzt keine fachgerechte Anpassung des Sattels.

Beispiel: seitlicher Sattelschlupf #

Die Möglichkeit einer einseitigen Bestückung bedeutet nicht, dass ein nach rechts oder links rutschender Sattel einfach auf einer Seite unterlegt werden sollte.

Die sichtbare Schlupfrichtung zeigt zunächst nur eine Asymmetrie innerhalb des Systems aus Pferd, Sattel und Reiter. Sie sagt noch nicht sicher aus, wo die Ursache liegt. Mögliche Einflüsse sind unter anderem die Bewegung des Pferdes, die Belastung durch den Reiter, die Steigbügelriemen, das Kopfeisen, die Sattelkissen oder die Gurtung.

Ein Korrekturpad darf deshalb erst berücksichtigt werden, wenn die Ursachen systematisch geprüft und eine durch das Pad sinnvoll ausgleichbare Situation festgestellt wurde. Die Wirkung der gewählten Bestückung muss anschließend unter dem Reiter und in Bewegung kontrolliert werden.

→ Sattel rutscht nach rechts – Ursachen und systematische Korrektur

Typische Fehlannahmen #

Sattlerpads werden häufig als schnelle Lösung eingesetzt, ohne zuvor die eigentliche Ursache einer Auffälligkeit zu untersuchen. Typische Fehlannahmen sind:

  • Ein Pad könne einen grundsätzlich unpassenden Sattel passend machen.
  • Ein vorne oder hinten zu tief liegender Sattel benötige automatisch die entsprechende Einlage.
  • Ein zu enges Kopfeisen lasse sich durch zusätzliches Unterlegen korrigieren.
  • Eine optisch waagerechte Sitzfläche im Stand beweise eine korrekte Passform.
  • Ungleichheiten ließen sich dauerhaft durch zusätzliche Einlagen ausgleichen.
  • Ein seitlich rutschender Sattel müsse lediglich auf einer Seite unterlegt werden.
  • Regelmäßige Kontrollen seien bei Verwendung eines Korrekturpads nicht mehr erforderlich.

Ein ungeeigneter Einsatz kann vorhandene Probleme überdecken, die Balance des Sattels verändern oder zusätzliche Belastungen erzeugen.

Materialeigenschaften sind keine Passform #

Materialien, die in Sattlerpads und Einlagen verwendet werden, können beispielsweise stoßdämpfende oder druckmindernde Eigenschaften besitzen.

Eine einzelne Materialeigenschaft bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich die Funktion des gesamten Sattelsystems verbessert. Durch die zusätzliche Materialstärke verändern sich zugleich Abstand, Auflage, Schulterfreiheit und Balance des Sattels.

Auch Werbeaussagen über Druckverteilung, Stoßdämpfung oder Anpassungsfähigkeit müssen deshalb im Zusammenhang mit dem konkreten Pferd und Sattel beurteilt werden.

Wichtige Hinweise in der Anwendung #

  • Der Sattel muss mit der tatsächlich vorgesehenen Unterlage und Bestückung beurteilt werden.
  • Besonders der Freiraum im Bereich von Kopfeisen, Widerrist und Schulter muss kontrolliert werden.
  • Dicke oder mehrfach kombinierte Unterlagen können die Passform erheblich verändern.
  • Ein zu enger oder grundsätzlich ungeeigneter Sattel wird durch zusätzliche Einlagen nicht passend.
  • Eine seitlich unterschiedliche Bestückung darf erst nach einer Ursachenprüfung erfolgen.
  • Die Wirkung der Einlagen muss unter dem Reiter und in Bewegung überprüft werden.
  • Die Bestückung ist regelmäßig an die körperliche Entwicklung des Pferdes anzupassen.
  • Pad, Einlagen und weitere Unterlagen müssen sauber, trocken und frei von Verhärtungen sein.

Weiterführende Informationen #

Fazit #

Ein Sattlerpad ist ein gezielt einsetzbares, in der Regel vorübergehendes Hilfsmittel. Ein Shim verändert die Balance oder Auflage des Sattels, beseitigt jedoch nicht automatisch die Ursache einer fehlerhaften Sattellage. Welche Taschen mit welchen Einlagen bestückt werden, ergibt sich aus der fachlichen Beurteilung des gesamten Systems und muss anschließend unter dem Reiter und in Bewegung kontrolliert werden.

Zusammenhänge zwischen Sattel, Reiter und Sitzposition werden hier erläutert:
Warum nicht jeder Sattel zu jedem Reiter passt

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