Es ist auffällig, dass bei solchen Aussagen unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen und Belege gemieden werden. Insgesamt sind die Werbeaussagen meist sehr schwammig ausgedrückt und verleiten daher leicht zu falschen Annahmen bzw. Interpretationen. Oft werden in diesem Zusammenhang sogar noch Rechenformeln wie zur Druckbelastungsrechnung zum Besten gegeben, die keiner Nachfrage und Überprüfung standhalten.
Schreibt man diese Leute darauf an, kommt zwar „Ja, ich weiß, hätte ich dies eigentlich vor Jahren herausnehmen sollen“, aber anschließend wird dies dann doch nicht gemacht.
Warum sollte man denn den Fliegenfänger abhängen, wenn er es noch tut!
Das Einzige, was man hierbei gelten lassen muss, ist, dass durch die zusammenhängende größere Auflage der Sattel stärker gegen ein Verrutschen auf dem Pferd fixiert wird.
Da lobe ich doch lieber den Reiter, der an seinem ausgeglichenen, unabhängigen und sicheren Sitz mit feinen Hilfen für sein Pferd in einem normalen Dressursattel arbeitet.
- Wie ist das Kissen eines Sattels zu prüfen?
- Druckbelastungsrechnung
- Wann bin ich zu schwer für mein Pferd?
Entblättern wir als Beispiel einen solchen Sattel und betrachten ihn uns doch mal an.
Meist sind hierzu wenige Schrauben zu lösen, um sich den Aufbau anzuschauen. Herauskommt überwiegend ein ganz normaler englischer Sattelbaum, bei dem die Kissenbefestigung hinten überwiegend über einfache aufgeschraubte Plastikzuschnitte gelöst wurde. Ein Umbau mit Kissen, die wesentlich einfacher von ihrer Konstruktion und von weniger Tragfähigkeit im Schnitt sind, wie ein übliches Keilkissen. Diese Aufnahmen sind weder wesentlich statisch tragend noch größtenteils besonders handwerklich anspruchsvoll gelöst. Die Kissenlösung ist dann auch von ihrem Aufbau flach und packt mehr ein, anstatt statisch wirklich zu tragen und den Reiter in eine gute und schonende Sitzposition zu bringen.
Daher werden in diesem Zusammenhang auch gerne Pads zur angeblichen Korrektur der Sitzposition verkauft.

Aufgrund dieser Werbung habe ich bei meiner SMS nachgefragt und nun folgende übersetzte Antwort erhalten:
Lieber Ralf,
bitte beachten Sie die folgende Antwort von Mark Fisher, einem unserer Mitglieder, der an der Forschung beteiligt ist und einer unserer Dozenten ist.
Mein erster Punkt wäre, dass Sie die Firma nach Beweisen für ihre Behauptungen fragen. Auf welche Forschungsergebnisse stützen sie ihre Behauptungen?
Mir sind keine veröffentlichten Untersuchungen bekannt, die die Behauptungen belegen würden. Aber wir wissen, dass der Druck unter einem Sattel weitgehend lokalisiert ist. Nach vorn für den Druck, der vom Pferd ausgeübt wird, und nach hinten 1⁄2 für den Druck unter dem Reiter. Daher ist es unwahrscheinlich, dass eine Vergrößerung der Auflagefläche den Druck wie behauptet reduziert.
Während meiner Dienstzeit bei der King’s Troop habe ich Studien über Militärsättel durchgeführt. Die Auflagefläche dieser Sättel ist im Vergleich zu zivilen Sätteln stark vergrößert. Die vergrößerte Auflagefläche ist jedoch dafür gedacht, zusätzliche Ausrüstung zu tragen und sicherzustellen, dass diese Ausrüstung nicht auf dem Rücken des Pferdes getragen wird.
Daher sind viele Sättel mit vergrößerter Auflagefläche vorn oder hinten schlecht durchdachte Kopien des Militärdesigns und üben oft zu viel Druck auf die Schulterblätter oder den T18 aus. Sättel mit einer zu breiten Auflagefläche, die daher breiter auf dem Brustkorb sitzen, können tatsächlich eine Einschränkung des Atemmechanismus des Pferdes verursachen.
Ich würde also argumentieren, dass eine Verdopplung der Auflagefläche die Belastung dort erhöhen könnte, wo sie nicht vorgesehen ist.
Ich hoffe, das hilft Ihnen Ralf
Best regards,
Mark
⚠️ Praxisbeobachtung aus dem Alltag #
Immer wieder fällt auf, dass Pferde mit wiederkehrenden Verspannungen, Druckempfindlichkeiten oder Bewegungsauffälligkeiten regelmäßig mit zusätzlichen Hilfsmitteln behandelt werden – beispielsweise durch Massagegeräte, Schallwellen- oder Lockerungsanwendungen.
Solche Maßnahmen können kurzfristig durchaus als angenehm empfunden werden. Sie ersetzen jedoch keine fachliche Ursachenforschung.
Gerade bei Sätteln mit sehr großer Auflagefläche entsteht nicht selten der Eindruck, dass hierdurch automatisch eine besonders pferdefreundliche oder druckschonende Situation entstehen müsse. In der Praxis können Probleme hierdurch jedoch teilweise sogar länger verdeckt bleiben, weil sich Belastungen großflächiger verteilen und schleichend entwickeln.
Aus fachlicher Sicht sollte daher nicht ausschließlich versucht werden, Symptome zu behandeln. Sinnvoller ist es, mögliche Ursachen systematisch zu überprüfen.
- Liegt der Sattel tatsächlich funktionell ruhig und gleichmäßig?
- Entstehen Brückenbildungen oder Druckspitzen?
- Passt die Baumform wirklich zur Bewegung und Anatomie des Pferdes?
- Wie wirken sich Reitergewicht, Schwerpunkt und Nutzung aus?
- Welche Rolle spielen Unterlage und Gesamtsystem?
- Und wie verhält sich das Ganze tatsächlich unter Belastung?
Gerade bei großflächig aufliegenden Sätteln lohnt sich deshalb eine nüchterne und systematische Überprüfung oft mehr als das dauerhafte Behandeln von Folgeerscheinungen.
Hinweis zur Einordnung
Die dargestellten Zusammenhänge beschreiben eine fachliche Einordnung typischer Werbeaussagen aus der praktischen Sattelarbeit.
Sie stellen keine pauschale Bewertung aller entsprechend beworbenen Sättel dar.
Bauart, Pferdetyp, Nutzung und Anpassung können zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Eine Beurteilung ist daher ausschließlich im konkreten Einzelfall möglich.
