Kopfeisen versus Verstellmechanik

Ein Kopfeisen gibt den Ortgängen des Sattelbaumes die nötige Stabilität um die Kräfte, die durch den Reiter einwirken, abfangen zu können.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Normen BS 6635 und BS 7875 hinweisen, in denen die Prüfkriterien für Sattelbäume festgelegt sind. Leider ist die Anwendung vom Gesetzgeber nicht verbindlich vorgeschrieben und wird, wenn überhaupt, nur auf freiwilliger Basis von wenigen Herstellern angewendet. Insgesamt kann man sagen, dass sich hier ein sehr kreativer Bereich gebildet hat, oft zum Leitwesen der Pferde.

Ich vergleiche den Bereich des Ortgangs gerne mit einem Dachsparren, der ja auch Kräfte auf die Grundmauern verlagern muss, den aktiven Bereich des Schulterblattes sicher überbrücken muss. Wurde aber der Dachsparren zu kurz bemessen, gibt es beim Aufbau ein Problem.

Hier möchte ich auch auf die FN verweisen, die in ihrer Sattelempfehlung schreibt “Besonders wichtig für das Wohlbefinden des Pferdes ist: …., das Kopfeisen die Bewegung der Schulter ermöglicht” https://www.pferd-aktuell.de/ausbildung/ausruestung-von-pferd-und-reiter

Ausgebaute Kopfeisen können auch auf sehr einfache Weise als Schablone dienen, um beim Pferd direkt die aktuell notwendige Kopfeisenweite festzustellen. Hiermit ist es auch leichter möglich die Formgebung und notwendige Länge zu kontrollieren. Wichtig ist hierbei die Bewegungsfreiheit zu kontrollieren. Daher ist mir das Oberflächenmaß, des Pferdes im Stand, wie es bei vielen Messmetoden festgehalten wird, nicht für die geprüfte freie Bewegung ausreichend. Zu beachten ist die Symmetrie in diesem statischen Bereich einzuhalten und den Bereich nicht auf Haltungsprobleme hin anzupassen. Dies ist nur bei wenigen Sonderfällen nicht anders zu lösen, wirklich notwendig und zweckdienlich.
Wir üben im Reiten die Balance und Symmetrie, dies sollte der Kernsatz sein und ist mit der Ballettkunst zu vergleichen. Dem Körper des Pferdes wird durch die symmetrische Ausrichtung des Ortganges/Kopfeisens ermöglicht sich gleich auszurichten, zu bewegen und entsprechend aufzubauen.

Bei vielen Sattelmarken gibt es noch fest vernietete Kopfeisen/Kopfeisenbleche im Sattelbaum. Teilweise sind diese nur und unterhalb der Steigbügelaufhängung geringfügig veränderbar. Andere mit Kunststoffbaum sind mit stark veränderbaren Kopfeisen ausgestattet. Hier ist zu beachten, dass keine Asymmetrien beim Weiten/Engen eingebracht werden und ebenfalls mit Schablonen gearbeitet wird. Weiterhin ist zu beachten, dass ein kraftschlüssiger Verbund mit dem Ortgangende besteht.

Es gibt auch Hersteller, die meinen in ihrer kreativen Freiheit mit Ihren Kunststoffbäumen auf Kopfeisen generell verzichten zu können. Mit meist sehr kurzen Ortgängen, die meist im Warmverfahren nur einige wenige Male verändert werden können, denn durch das starke Erwärmen entweichen die Weichmacher im Kunststoff schneller.

Daher werden in diesem Zusammenhang auch gerne Pads und Fellunterlagen zur Korrektur der Sitzposition verkauft.

Ich empfehle immer sich den Sattel bzw. das System anzuschauen, eventuell Schablonen zu vergleichszwecken am Pferd hinzuzunehmen und sich selbst ein Bild zu machen, sich selbst eine Meinung zu bilden, bevor ein Sattel gekauft oder verändert wird. Die Basis ist der Sattelbaum mit seinem System und der hat zum Pferd zu passen. Neben dem richtigen und geeigneten Kissen ist der Rest mehr oder weniger nur Verkleidung. Meist sind es nur wenige einfache Schrauben, die zu öffnen sind, dann kann man sich alles in Ruhe anschauen. Ich bin auch der Meinung, dass es dazu gehört, den Sattel so vorzustellen und den Kunden in seiner Entscheidung so einzubinden. Hierbei gehört es auch den Kunden offen über die Veränderbarkeit des Sattels und seine Grenzen aufzuklären.

Auch gibt es Versuche die Kopfeisen (eigentlich nur Bleche) bei der Herstellung des Kunststoffbaums zu integrieren. Ein Verfahren welches mich bei einer Überprüfung nicht überzeugen konnte, da die Kräfte bei einer Verstellung hierbei doch sehr an den Randbereichen arbeiten und sehr schnell am Baum zu beobachten ist, dass der dünne Kunststoff der das Blech umgibt in einen Grenzbereich kommt, wo die Materialien sich zu trennen beginnen. Zudem gibt dies dem Kunden keinen Vorteil oder Möglichkeit seinen Sattel selbst zu verändern. Solide aufgeschraubt und änderbar wäre dies haltbarer und kundenfreundlicher.

Anstelle eines Kopfeisens setzten einige Hersteller eine Verstellmechanik ein und geben die Verantwortung bei der Anpassung/Verstellung in Laienhände. Andere Hersteller sind hiervon schnell wieder abgekommen, da sich deren Konstruktion im Einsatz als sehr anfällig erwiesen hat. Teilweise hat dies mit einer störanfälligen Feinmechanik zu tun, wenn man denkt welche Kräfte z.B. beim Springen aufkommen (Reitergewicht x 3). Oft kann man auch feststellen, dass mangelhaft Gußeisenteile mit normalem Stahl verschweißt wurden, die Sollbruchstelle ist da schon wie vorprogrammiert. Wichtig ist hier auch immer die Länge der Mechanik, denn Sie soll ein übliches solides Kopfeisen ersetzen und hat hiermit richtige statische Eigenschaften zu übernehmen. Dies geht natürlich nicht, wenn die Mechanik zu kurz ist oder der weitere Ortgang zu instabil und nicht ausreichend tragend ausgeführt wurde.

Hier gut zu erkennen, dass die Unterstützung durch die Mechanik nicht über die Höhe der Steigbügelaufhängung hinaus geht. Wie soll hier die freie Bewegung der Schulter möglich sein?
Solide Stabilität bis in das Ortgangende.

Bei einer Verstellmechanik wird es dann auch schwieriger die richtige Weite sicher einzustellen, da diese ebenfalls fest im Sattel verbaut ist. Ohne Kontrolle und eine Schablone, mit der das Pferd parallel geprüft wurde, sollte man eine Verstellung tunlichst unterlassen.

Weiterführende Dokumente: Normen im Sattelbau

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