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Sicher vor Gurtdruck?

Kurzbeschreibung #

Gurtdruck zählt zu den häufigsten Problemen in der Sattellage. Er kann Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Hautverletzungen verursachen. Dieser Beitrag erläutert, wie Gurtdruck entsteht, wie er vermieden werden kann, welche Rolle Reinigung und Lagerung spielen und warum Werbeaussagen mit „Studien“ kritisch zu hinterfragen sind.


Wie entsteht Gurtdruck? #

Gurtdruck entsteht, wenn der Bauchgurt punktuell oder dauerhaft zu stark auf den Gurtbereich einwirkt. Häufige Ursachen sind:

  • falsche Gurtlänge (zu kurz oder zu lang)
  • Gurt liegt direkt oder zu nah hinter dem Ellbogen
  • harte Kanten, verschmutztes oder verhärtetes Material
  • ungleichmäßiges oder zu starkes Anziehen (Übergurten)
  • elastische Einsätze, die den Sattel instabil machen
  • verschlissene Gurte mit Rissen oder rauer Oberfläche
  • lose Haut oder anatomische Besonderheiten des Pferdes
  • ein zu enger Sattel oder ein zu eng eingestelltes Kopfeisen, das die Bewegung des Pferdes einschränkt und entstehenden Druck vermehrt auf den Bauchgurt überträgt

Ergänzender Hinweis:
In der Praxis zeigt sich, dass eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit im Bereich des Kopfeisens mit erhöhtem Druck im Gurtbereich einhergehen kann.

Weitere Informationen hierzu finden Sie unter:
👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/tipps-und-kniffe-rund-um-die-kopfeisenkontrolle/


Wissenschaftlicher Hintergrund #

Ein fachlich fundierter Beitrag von Dr. Russell MacKechnie-Guire beleuchtet die Auswirkungen von Gurtdruck auf die Fortbewegung des Pferdes:

👉 Gurtdruck und seine Auswirkung auf die Fortbewegung des Pferdes (PDF)
https://www.sattlerei-steitz.de/wp-content/uploads/2021/04/Gurtdruck-und-seine-Auswirkung-auf-die-Fortbewegung-des-Pferdes.pdf

Die Untersuchung zeigt, dass Druckspitzen – insbesondere im Bereich hinter dem Ellbogen – die Schulterfreiheit und das Gangbild des Pferdes messbar beeinflussen können.


Werbung mit Studien – kritisch prüfen #

Hersteller werben häufig mit „wissenschaftlichen Studien“, die eine druckreduzierende Wirkung bestimmter Gurte belegen sollen. Solche Aussagen sollten kritisch betrachtet werden:

  • Wurde die Studie an ausreichend vielen Pferden durchgeführt?
  • War der Beobachtungszeitraum lang genug, um trainings- oder fütterungsbedingte Veränderungen zu berücksichtigen?
  • Wurde ausschließlich der Gurt getestet oder die Kombination aus Sattel und Gurt?
  • Handelt es sich um eine unabhängige Veröffentlichung oder um internes Werbematerial?

Weitere Hinweise hierzu finden Sie unter:
👉 https://www.sattlerei-steitz.de/service/faq/werbung-mit-wissenschaftlichen-studien-was-ist-zu-beachten/


Orientierungsmaße für die richtige Gurtlänge #

  • Messung: Schnalle zu Schnalle
  • Bei Kurzgurten: Gurtführung oberhalb der Schnallen (ca. 6–7 cm je Seite) einrechnen
  • Zielposition: etwa 10 cm hinter dem Ellbogen
  • Faustformel:
    Brustumfang an der Gurtlage messen → durch 2 teilen → bei Kurzgurten 7–8 cm abziehen
  • Ellenbogenfreiheit: Schnallen dürfen nicht in den Bewegungsbereich ragen

Passform und Material #

  • Anatomisch geformte Gurte können die Ellbogenregion entlasten
  • Leder ist langlebig und angenehm, erfordert jedoch regelmäßige Pflege
  • Moderne Funktionsmaterialien sind häufig pflegeleichter und atmungsaktiv

Vorsicht bei Gummizügen #

  • häufiges Übergurten führt zu zu engem Sitz
  • einseitig elastische Gurte können den Sattel zur Seite ziehen
  • beidseitig elastische Gurte erhöhen das Risiko von Sattelinstabilität
  • Ausnahme: hochwertige, sehr kurze Elastikeinsätze in minimalem Maß

Reinigung, Pflege und Lagerung – Praxiserfahrungen #

  • Nach dem Reiten den Gurt beidseitig vom Sattel lösen, um Verdrehungen zu vermeiden
  • Nicht mit der Innenseite nach außen überdehnen – dies führt zu Faltenbildung und Materialschäden
  • Gerade Aufhängung (z. B. am Haken) nur kurzfristig
  • Nach der Reinigung:
    • groben Schmutz lösen
    • reinigen
    • gründlich mit klarem Wasser nachspülen
    • mit einem Handtuch vortrocknen
    • kurz über einem runden Balken antrocknen lassen
    • optimal: über dem Sattel mit Bezug vollständig trocknen
  • Pflegemittel nur nach Herstellervorgabe verwenden
  • Frostfreie Lagerung ist zwingend erforderlich – Kälte schadet Leder wie auch Kunststoffmaterialien

Kontrolle und Sicherheit #

Mit ein wenig Aufmerksamkeit entdecken wir Druckstellen meist selbst.
  • Druckstellen lassen sich häufig frühzeitig erkennen
  • Vor jedem Gebrauch prüfen: Schnallen, Nähte und Materialzustand
  • Risse oder harte Kanten können Haut einklemmen oder Wunden verursachen
  • Bauchgurt und Zaumzeug zählen zur sicherheitsrelevanten Ausrüstung – regelmäßige Kontrolle ist erforderlich

Fazit #

Ein Pferd ist nur dann zuverlässig vor Gurtdruck geschützt, wenn Gurtlänge, Position, Material und Pflege stimmen. Entscheidend sind:

  • korrektes Messen inklusive Gurtführung
  • ausreichende Bewegungsfreiheit im Ellbogenbereich
  • regelmäßige Reinigung, sachgerechte Trocknung und geeignete Lagerung
  • konsequente Kontrolle auf Verschleiß
  • kritisches Hinterfragen von Werbeaussagen und Studien

So lassen sich Druckspitzen, Hautverletzungen und Bewegungseinschränkungen wirksam vermeiden.


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