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Tipps und Kniffe rund um die Kopfeisenkontrolle

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Zunächst sollte das Pferd hierfür, wie auch zu meinen Terminen, immer ausreichend gelockert und bewegt sein, dies ohne Sattel, nicht geritten oder mit Longiergurt!

Bei jedem Check, auch wenn dieser erst wenige Tage her ist, wird grundsätzlich das ausgebaute Kopfeisen oder die direkte Papp-Schablone hiervon direkt am Pferd geprüft.

Bei Routinechecks, wie sie bei den meisten Pferden (gesund und ohne Defizite) alle 2–3 Monate üblich und notwendig sind, arbeiten Sie bitte nur nach meinen Anweisungen oder Sie vereinbaren einen Termin. Bitte beachten Sie, dass oftmals Veränderungen, die einen erneuten Kopfeisenwechsel notwendig machen, sich innerhalb weniger Tage anzeigen können.
Ich lege immer die zu mir abgewandte Seite der Schablone oder des Kopfeisens direkt auf der Gegenseite am Pferd an. Dann habe ich sichtbar das aktuelle Spiel des Kopfeisens zum Pferd vor mir. Je nach Zustand des Pferdes (Rumpfabsenkung, Atrophie) habe ich mit einem passenden Kopfeisen dann noch ein leichtes Spiel, und bei nach vorn im Karpalgelenk angehobenem Vorderfuß (nicht gesteckt!) liegt das Eisen dann voll auf.

Hinweis zur Kopfeisenkontrolle

Die Messpunkte immer vorher mit Pastellkreide markieren – auch die Linie GL. Das Pferd sollte dabei locker, gerade und entspannt stehen.
Den Kopf hierbei gerade auf mittlerer Höhe. Die Prüfung des Kopfeisens und das Anzeichnen der Position GL erfolgen ausschließlich mit dem Pferd in neutraler Kopf- und Halsposition.
Das bedeutet: weder beim Fressen (Kopf abgesenkt) noch mit hoch erhobenem Kopf oder in eingerollter Haltung.

Nur in dieser natürlichen Haltung lassen sich die tatsächliche Lage, der Winkel und die Passform des Kopfeisens realistisch beurteilen.
Abweichende Kopfpositionen verfälschen die Messung und können zu einer falschen Einschätzung der Bewegungsfreiheit im Schulter- und Widerristbereich führen.

Erklärung: Mit dem Anheben des Vorderbeins im Karpalgelenk nach vorn (Logo beachten!) erzeugen wir, wie in der normalen Bewegung, eine Rumpfanhebung und Stauchung der Muskulatur in besagter Kopfeisenlinie (GL). Wie ein Bodybuilder, der uns mal die Muckis zeigt. 🙂
Heben wir das Vorderbein jedoch im Fesselgelenk an oder nehmen wir dies dann nach vorn, fällt der Rumpf und die Muskulatur kann sich nicht passend zeigen. Wir würden hiermit möglicherweise eine falsche (zu schmale) Kopfeisenweite als passend erachten.

Dieses unterschiedliche Spiel der Muskulatur ist hervorragend mithilfe eines Kopfeisens in diesem Bereich zu beobachten. Und eine selbst erstellte Schablone sollte daher auch eine gewisse Festigkeit aufweisen, um sicher prüfen zu können.

SimaTree-Kopfeisencheck am Pferd

Da es bei den Kopfeisen Toleranzen gibt und die Kopfeisen immer durch Auflegen geprüft werden, ist es normal, dass wir über kurz oder lang Kopfeisen der gleichen Farbe mit leicht unterschiedlicher Winkelung haben, die wir je nach Bedarf passend einsetzen. Hierzu wurde nun ergänzend das klassifizierte Kopfeisen von mir eingeführt, mit dem Sie genau zur Bestellung die Winkelung bestimmen können.
Als Basis empfehle ich immer ein Standard-Kopfeisen. Für das Feintuning nehmen wir hiernach das auf ca. 1 Grad klassifizierte Kopfeisen. Mit dem vorhandenen Kopfeisen prüfen und kontrollieren wir die freie Bewegung im Check. Dann ist der tragfähige muskuläre Zustand des Pferdes zu ermitteln. Dies geht am besten direkt mit Kopfeisen oder starren Schablonen. Wenn dann das Kopfeisen im Check nicht nur leicht angehoben, sondern unnachgiebig (5–7 mm) herausgehoben wird, empfehle ich, es mit einem ca. 1 Grad weiterem Kopfeisen erneut zu prüfen.


Ergänzende Grenzbereichsprüfung (1–2°-Kontrolle) #

Im Rahmen der Kopfeisenkontrolle kann es sinnvoll sein, neben der statischen Beurteilung eine zusätzliche Grenzbereichsprüfung im Bereich von 1 bis 2 Grad durchzuführen.

Ziel dieser Prüfung ist nicht die grobe Winkelmessung, sondern die Absicherung der Einbauentscheidung im unmittelbaren Toleranzbereich.

Vorgehensweise #

  • Kopfeisen im Check positionieren
  • Belastung herstellen (z. B. durch angehobenen Vorderfuß zur Simulation der Tragphase)
  • Referenz im Bereich von 1–2° anlegen
  • Beobachten, wie sich das System im Grenzbereich verhält

Interpretation #

Zeigt die Prüfung, dass ein um 1° engeres Kopfeisen unter Belastung aus der tragenden Linie herausgedrückt würde, ist diese engere Variante als zu eng einzustufen.

Das gewählte Kopfeisen liegt damit im vorgesehenen Grenzbereich und kann als passend bestätigt eingebaut werden.

Einordnung #

Diese Grenzbereichsprüfung ersetzt keine vollständige Vermessung und keine individuelle Beurteilung des Pferdes.
Sie dient ausschließlich der methodischen Absicherung innerhalb eines bestehenden Systems.


Klassifizierte Kopfeisen – für exakte Anpassung

Aus meiner jahrelangen Erfahrung, Kopfeisen direkt am Pferd zu prüfen und jeden Vorgang zu dokumentieren, ist das klassifizierte Kopfeisen entstanden.
Dieses System basiert auf einer konsequenten Wareneingangskontrolle der Standard-Kopfeisen, mit enger Toleranz (± 1,5 Grad).
Für die klassifizierte werden die Zwischenbereiche in einer 1-Grad-Abstufung berücksichtigt, die in der Praxis oft notwendig sind, um eine wirklich passgenaue Weite zu erreichen und nichts mehr dem Zufall zu überlassen.

SimaTree-Kopfeisen R-Bar,
Standard (± 1,5)
SimaTree-Kopfeisen R-Bar,
klassifiziert
WeiteFarbeWinkelbereichWinkelbereich
N/MGrün73° ± 1,5 (71,5 – 74,5)N/M = Grün, 71–75°
MSchwarz78° ± 1,5 (76,5 – 79,5)M = Schwarz, 76–81°
MWBlau83° ± 1,5 (81,5 – 84,5)MW = Blau, 82–86°
WRot88° ± 1,5 (86,5 – 89,5)W = Rot, 87–91°
WXWOrange93° ± 1,5 (91,5 – 94,5)WXW = Orange, 92–96°
XWWeiß98° ± 1,5 (96,5 – 99,5)XW = Weiß, 97–101°
XW/XXWGelb103° ± 1,5 (101,5 – 104,5)XW/XXW = Gelb, 102–106°

Hinweis: Auf einem Foto/Video kann ich nicht erkennen, ob ein fixiertes Kopfeisen unnachgiebig in der simulierten Bewegung herausgehoben wird. Der feine Unterschied von „leicht, aber sicher angehoben und nicht zu stark“ zu „unnachgiebig herausgepresst“ muss vom Ausführenden gefühlt werden. Es ist besonders wichtig, dies genau zu prüfen. Wird ein Kopfeisen unnachgiebig herausgehoben, bedeutet dies im eingebauten Zustand, dass bei jeder Bewegung Druck über den Bauchgurt ausgeübt wird, was wiederum die Atemhilfsmuskulatur behindert und den Sattel in Unruhe versetzt. Zudem hat dies negative Auswirkungen auf das Kissen.

Ist das vorhandene Kopfeisen im Check noch zu weit, empfehle ich zunächst, die darunterliegende Standardausführung als Basis zu prüfen.

Um diesen Prüfvorgang zu vereinfachen und zu unterstützen, biete ich nun in meinem Shop die Kontroll-Auflage 1 – 2 Grad an. Hierbei sollte die Kontroll-Auflage am Kopfeisen zunächst auf der von uns abgewandten Seite des Pferdes angelegt/eingesetzt werden und wir prüfen wieder auf unserer Seite.

Hinweis: Bereits eine einfache Korrektur der Zehnstellung des Pferdes kann massiven Einfluss auf die benötigte Kopfeisenweite mit sich bringen. Der Unterschied im jeweiligen jahreszeitlich bedingten Fellkleid (Sommer/Winter) spielt hierbei keine Rolle, da das Fell gleichmäßig ist und hierdurch nur ein paralleler Verschub stattfindet, sich der Winkel aber nicht ändert.

Viele meiner betreuten Pferde wissen bereits beim Auflegen des Kopfeisens schon, was dann kommt, und heben selbstständig das Vorderbein an. 🙂


Haben wir ein Pferd mit einem atrophierten Trapezbereich, geht dies meist auch mit einer Rumpfabsenkung einher. In solch einem Fall empfiehlt es sich, tief in die technische Trickkiste zu greifen, um die Muskulatur/das Pferd im Wiederaufbau so weit wie möglich zu unterstützen. Hier gilt es, die Druckverlagerung rund um den angeschlagenen und daher auch recht anfälligen Trapezbereich zu optimieren.

Gute Erfahrungen habe ich hierbei gemacht, wenn das Ortgangende von seiner Auflage auf möglichst breiten Fuß gestellt wurde. Hiermit ist gemeint, den Höhenversatz des Kopfeisens zum Beispiel mit Filz auf dem Ortgangende auszugleichen und somit die komplette Ortgangbreite in ebener Form zu nutzen. Der Gedanke dahinter ist, dass sich dieser fragile Bereich mit einem breiteren und gleichmäßigen Auflagern einfacher erholen kann. Ich vergleiche es gerne mit unserer flachen Hand unter unserem Kopfkissen, oder wenn wir eine Faust machen, können wir diesen Unterschied auch deutlich spüren. Somit kann es nur von Vorteil sein, wenn wir den Ausgleich von 2 × 6–7 mm vornehmen.

Normales Ortgangende mit eingebautem Kopfeisen-
Aufgeklebtes Filzpad, um den Höhenunterschied auszugleichen. An der vorderen Kante zur Schulter sollte jedoch nichts aufgebaut werden.

Hinweis zur Kissenmontage: Um die Kissen wieder bequem in die Ortgangtaschen zu bekommen, benutzen Sie bitte den Griff eines einfachen Kaffeelöffels (wie einen Schuhlöffel). Siehe hierzu: Kopfeisen austauschen: System SimaTree. Da das Ösenloch größer als 6 mm ist, ist es bei einer Schraube mit M6 vollkommen normal, dass diese nicht hundertprozentig mittig auf der Öse sitzt.


Hinweis zu älteren Sätteln – Kissen verhakt sich an der Kopfeisenschraube #

Bei manchen älteren Sätteln kann sich die Ortgangtasche des Sattelkissens am hochstehenden Rand der oberen Kopfeisenschraube oder an einer dort verwendeten Sperrscheibe verhaken.

Beim Öffnen des Sattels lässt sich das Kissen dann nicht einfach aus dem Ortgang abziehen, genauer gesagt, über den Handrücken abhebeln, weil sich die Kissenkante am Schraubenkopf festsetzt.

Wichtig:
Bitte das verhakte Kissen nicht mit roher Gewalt herausziehen.

In der Praxis lässt sich das Kissen meist vorsichtig lösen, indem man den Bereich behutsam anhebt oder aushebelt. Bewährt hat sich hierfür der Griff eines einfachen Kaffeelöffels, da er rund ist und das Leder nicht beschädigt.

Dauerhafte Abhilfe:
Die Sperrscheibe kann entfernt werden. Die Schraube wird anschließend mit mittelfester Schraubensicherung wieder eingesetzt. Dadurch entsteht kein überstehender Rand mehr und das Kissen lässt sich wieder problemlos aus dem Ortgang lösen.

Dieses Vorgehen wird inzwischen auch in der Produktion moderner Sättel so umgesetzt.

Ortgangtasche des Sattelkissens verhakt sich am Rand der Kopfeisenschraube.

Sicherheitshinweis beim Kopfeisencheck #

Nicht jedes Pferd arbeitet beim Kopfeisencheck so ruhig und kooperativ mit.

Nicht jedes Pferd arbeitet beim Kopfeisencheck ruhig mit.
Bei unruhigen Pferden empfiehlt sich zur Eigensicherung ein Schienbeinschutz.

Einige Pferde können das Vorderbein längere Zeit im Karpalgelenk abgewinkelt halten, andere beginnen während der Kontrolle mit dem Vorderfuß zu zappeln oder abzustellen. Gerade in dieser Situation befindet sich das Schienbein des Prüfers häufig in unmittelbarer Nähe des Hufes.

Zur Eigensicherung empfiehlt es sich deshalb, bei solchen Pferden einen Schienbeinschutz zu tragen.

Ein Huf – insbesondere mit Hufeisen – vor das Schienbein zu bekommen, kann sehr schmerzhaft sein und im ungünstigen Fall zu Verletzungen führen.


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